Konzert Berichte
Mary Broadcast Band / Sam Simon / Reigen / 3.4.09
Am 3.4.09 ging der VBS im Reigen in die nächste Runde - diesmal mit der Mary Broadcast Band, die ihre Bluez Mas III zelebrierte, sowie als Support Sam Simon. Ernst hat uns darüber seinen Konzertbericht geschickt:
03.04.09 BLUESSPRING REIGEN - WIEN
MARY BROADCAST BAND - BLUEZ MAS III (SUPPORT SAM SIMON)
Die Mary Broadcast Band (MBB), eine aufstrebende Formation rund um die Singer/Songwriterin Mary Lamaro lud also nicht nur zum alljährlichen "Bluez Mas", sondern auch gleichzeitig zur Release-Party ihrer neuen CD "Life Is Beautiful" in den Reigen.
Die MBB [Mary Lamaro (voc, git), Thomas Russ (b, voc), Melissa Hosler (dr, voc), Jimi Dolezal (git)] ist keine typische Blues-Formation, ja eigentlich keiner bestimmten Richtung zuzuordnen: ihre Musik ist eine aufregende Mischung aus Blues, Folk, Rock, Soul, Funk, Gospel - von Allem etwas, aber von Keinem zuviel.
Und die im Vorfeld erhaltenen Informationen machten mehr als nur neugierig:
Da war zunächst einmal das doch überraschende Ausscheiden des etatmäßigen Gitarristen Chris Fillmore, der den Stil der Band mehr als nur mitgeprägt hat - würde sein Nachfolger, der junge Jimi Dolezal die doch sehr große Lücke füllen können, die der Ausnahmegitarrist hinterlassen hatte? MBB ohne Chris Fillmore - ist das nicht wie Eurythmics ohne Dave Stewart?
Dann eine sehr vielversprechende Gästeliste, aus der zwei Namen hervorstachen: der namhafte Organist Gerry Schuller und einer der Mitproduzenten der CD, der legendäre Leroy Emmanuel.
Leroy Emmanuel - alleine seine Vita würde den Rahmen dieser Seite sprengen: Jugendfreund von Marvin Gaye, Beteiligung an über 1000 Produktionen für das berühmte Motown-Label, Arbeiten mit Stevie Wonder, den Commodores, Ike und Tina Turner, und, und......dem jungen George Benson gab er unter Anderem auch den Rat, nicht nur Gitarre zu spielen, sondern auch zu singen.... Und dieser Mann gefällt sich jetzt im reifen Alter als "Sugar-Daddy", tritt mit einer jungen Österreicherin auf, und produziert auch noch eine CD mit ihrer Formation!
Dazu noch ein vielversprechender Newcomer als Support-Act: Sam Simon, der traditionellen Blues auf ungewöhnliche Art und Weise spielt, und mit einer Stimme ausgestattet ist, die sehr an Chris Rea erinnert.
Zwei Personen fehlten: der Tubaspieler Jon Sass, und einer war der große Abwesende des Abends: Chris Fillmore, dessen Anwesenheit angeblich nicht erwünscht war...
Gründe genug, trotzdem auf einen interessanten Abend zu hoffen - der gleich mit einer Panne begann: Sam Simon's Weissenborn war anfänglich kein Ton zu entlocken - ein Problem, das Reigen-Tontechniker Andi mit aller Gemütsruhe und einem neuen Kabel zu lösen wusste.
Das dürfte Sam aber ein wenig nervös gemacht haben, denn nicht nur seine Startnummer, Bob Dylans "Bucket Of Rain", klang nicht gerade überzeugend, auch Mary Lamaro wirkte danach bei einer gemeinsamen Blind Willie Johnson-Nummer etwas verloren.
Ein etwas zäher Beginn also.
Das änderte sich aber schlagartig, als nach der gesamten MBB mit Leroy Emmanuel der erste Stargast die Bühne betrat. Dieser Mann spielt tatsächlich nach wie vor in einer eigenen Liga! Beeindruckend nicht nur sein Gitarrenspiel, sondern auch seine Vokalakrobatik! Ein Meister seines Faches, der in der Folge dem gesamten Abend seinen Stempel aufdrückte.
Nicht nur seine Interpretation von "Stormy Monday", sondern auch George Benson's "On Broadway", oder seine Percussionseinlagen mit zwei Löffeln hinterließen bleibende Eindrücke. Eine Lichtgestalt auf der Bühne, die sich in dieser Rolle sehr gefiel, neben der aber die anderen Mitwirkenden des Abends Mühe hatten, in seinem Schatten nicht ganz zu verblassen.
Die mit wechselnden Gästen [neben Leroy Emmanuel und Gerry Schuller noch Anton "Funkton" Spreitzer (organ) - Markus Ecklmayr (sax) - Captain Morgan (voc) - Stephan Gleixner (voc, perc.) - Bernd Aichberger (rap)] gespielten Nummern der neuen CD klangen sehr gefällig, ohne viele Ecken und Kanten; mit vielen Gospeleinfüssen, Leroy Emmanuels Handschrift war stark zu bemerken.
Die Gitarre von Chris Fillmore wurde an diesem Abend von vielen schmerzlich vermisst, sein gefühlvolles Spiel gab den Songs ja erst die richtige Abrundung.
Der neue Gitarrist Jimi Dolezal hielt sich fast die ganze Zeit dezent im Hintergrund, spielte brav seinen Part, ohne groß aufzufallen. Chris Fillmore's Schuhe sind ihm aber derzeit doch noch eine Nummer zu groß...
Positiv fiel dafür Mary Lamaro auf, die immer besser wird: eine wahre Chefin, selbstsicher, locker und ausdrucksstark ihre Bühnenperformance; nur das Gitarrenspiel zwingt sie noch immer zu höchster Konzentration.
So wurde der Abend im Reigen also zu einer Art Familienfest mit Partycharakter, bei dem die Musik zwar wichtig war, aber doch zeitweise in den Hintergrund gedrängt wurde, und Persönliches vorrangig wurde.
Mary Lamaro und ihre Mary Broadcast Band werden sicher ihren Weg machen.
Diesen Weg mitzuverfolgen, wird auch in Zukunft eine interessante und spannende Sache sein.
(Ernst)









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