Blues.at Top Logo

Konzert Berichte

Meena Cryle & The Chris Fillmore Band II / Reigen / 16.4.2009

Einen weiteren Konzertbericht erhielten wir zum Konzert von Meena Cryle & The Chris Fillmore Band im Reigen am 16.4.2009. Diesmal von Ernst:


Vienna Blues Spring 2009: MEENA CRYLE UND CHRIS FILLMORE/ 16.04.2009/ Reigen

"Singing Songs For Extasy" - das ist nicht nur ein Songtitel von Meena Cryle, er kann auch als Motto ihres diesjährigen Auftrittes beim Vienna Blues Spring bezeichnet werden.

Es war ein Abend voller Empathie, voller Emotionen; Songs, nicht statisch und lieblos, sondern voller Begeisterung, Gefühl und Spielfreude gespielt: was kann einem letztendlich begeisterten Publikum in einem diesmal gut besuchten Reigen besseres passieren?

Alleine schon der Beginn ließ etwas Besonderes erwarten: zwei Männer und zwei (eigentlich drei) Gitarren alleine auf der Bühne - Chris Fillmore und Sam Simon. Zwei Männer, die nicht nur Musik im Blut haben, sondern die sich auch gesucht und gefunden haben, wo die Chemie zwischen zwei Menschen einfach stimmt: das Ergebnis war erdiger, "saftiger", ursprünglicher Blues, gespielt nicht nur mit Herz, sondern auch mit Herzblut - Blues, wie er letztendlich sein soll. Freunde des "Schönspielens", Perfektionisten, hätten dabei vielleicht Einiges zu bemängeln gewusst - für mich zählte aber die spürbare Liebe zur Musik, und zum Blues im speziellen, und diese Liebe ließ alles Irritierende ziemlich vergessen.

Dann der Auftritt von Meena Cryle (voc, perc): von der ersten Sekunde an zog sie das Publikum mit ihrer Energie, ihrem Charisma, und vor Allem mit ihrer Stimme in ihren Bann. Diese Stimme, die sich unglaublich weiterentwickelt hat, kann ja soviel vermitteln: Zärtlichkeit, Lust, Inbrunst, Verzweiflung, Trauer - es gibt gar nicht genug Worte, um die ganze Bandbreite ihres Umfanges zu beschreiben.

Und Meena zog alle Register ihres Könnens, ihr elektrisierender Gesang nahm die Zuhörer mit auf eine Hochschaubahnfahrt der Gefühle. Berührend, Gänsehaut verursachend ihre Version des Etta James-Klassikers "I'd Rather Go Blind" - wer dabei nicht von seinen Emotionen gebeutelt wird, ist wahrscheinlich schon tot.

Ihr zur Seite standen aber auch Musiker (im wahrsten Sinne des Wortes!), die mit ebenso viel Spielfreude und Gefühl bei der Sache waren, und die diesen hochenergetischen Abend gemeinsam ermöglichten und vollbrachten:

Chris Fillmore (git) stand zwar des Öfteren am Bühnenrand, ohne sich jedoch in den Vordergrund zu spielen. Er nahm sich spürbar zurück, und überließ Meena den Platz im Rampenlicht. Knapp und prägnant kamen seine Soli, am besten und gefühlvollsten war sein Spiel aber, wenn die Augen Aller nicht auf ihn gerichtet waren. Um bei seiner Performance wenigstens ein kleines Haar in der Suppe zu finden: ich hätte mir durchaus ein wenig mehr Präsenz, ein wenig mehr vom Fillmore'schen Gitarrenspiel gewünscht.

Gastmusiker Herbert "Herby King" Königshofer entpuppte sich als echte Bereicherung! Seine jazzigen, mitunter in avantgardistische abgleitenden Töne (verbunden mit einer leicht clownesken Art des Spielens - das war großes Kino!) peppten die Sache spürbar auf, und ließen auch die älteren Songs viel frischer und aufregender klingen.

Melissa Hosler (dr, voc) ist überhaupt ein Engel. Als Gregg Allman 1967 den Song "Sweet Melissa" schrieb, hatte er sicher schon ihr Bild vor Augen...
Sie spielt ein knackiges, dynamisches Schlagzeug (und das, ohne aggressiv zu sein, ohne zu "dreschen") singt wunderbare Backing-Vocals, und strahlt überhaupt eine Spielfreude aus, die fast schon kitschig ist. Leider versteckt sich dieser schüchterne Sonnenschein viel zu sehr hinter ihrem "Zeugl". Auch hier würde ich mir ab und zu mehr Präsenz wünschen.

Peter "Struzzi" Struzzenberger (b) kann man getrost als Urgestein bezeichnen, solange spielt er schon (mit Unterbrechungen) an Meenas Seite. Jetzt dürfte er aber am Zenit angelangt sein, denn so gut habe ich ihn noch nie gehört. Perfekt die Harmonie mit ("Sweet") Melissa, bombensicher seine Rhythmik. Perfekt!

Alle Musiker (und ich gebrauche dieses Wort wieder ganz bewusst!) - fallweise kam auch Support-Act Sam Simon dazu - fügten sich zu einem harmonischen Klangkörper zusammen, der das Publikum zu euphorisieren verstand. Da war kein Platz für Selbstdarsteller oder sonstwie hormonell fehlgeleitete Mitspieler - alle stellten sich gemeinsam und absolut ganz in den Dienst der Musik.

Im Prinzip bestand die gesamte Setlist des Abends aus Highlights. Älteres wurde klug in neues Gewand verpackt (z.B. "You Can Have My Husband"), und geschickt mit neuen Songs verwoben. Ein Titel verdient es aber, besonders gewürdigt zu werden: die Idee, aus dem alten Cheap Trick-Hadern "I Want You To Want Me" eine Gospelhymnee zu machen, darf schlichtweg als genial bezeichnet werden. Und wenn noch dazu Chris Fillmore ans Piano (!!!) geht, und Melissa Hosler endlich zeigen darf, dass sie auch eine wunderbare Singstimme hat - Herz, was willst du mehr? Wann hat es denn zuletzt im Reigen, so wie zum Abschluß des Konzertes "Standing Ovations" gegeben?

Es war, und das kann man mit Fug und Recht behaupten, ein denkwürdiger Abend, ein Abend, der einen wie betäubt, aber glückselig, wie auf einer Wolke schwebend, nach Hause gehen ließ.

Ich muss zugeben, dass ich, seit ich Meena Cryle und Chris Fillmore kenne, ein Fan der Beiden bin. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich miterleben darf, wie rasant sie sich weiterentwickeln, und immer besser werden. Wenn man mir also vielleicht mangelnde Objektivität vorwirft, so mag das durchaus berechtigt sein. Es ist ist aber ein Vorwurf, mit dem ich sehr, sehr gut leben kann.


(Ernst)


20.04.2009 10:55 Hannelore

Kommentare

Keine Kommentare gespeichert

Kommentar hinzufügen    
:

:

: