Konzert Berichte
Elliott Murphy & Normandy Allstars / Reigen / 29.04.2009
Von Ernst erhielten wir einen Konzertbericht über ELLIOTT MURPHY & die NORMANDY ALLSTARS im Reigen am 29.4.09.
ELLIOTT MURPHY & die NORMANDY ALLSTARS
REIGEN / 29.04.2009
Der Grund, warum ich das Elliott Murphy-Konzert besuchte (den ich vorher nicht wirklich kannte), war eigentlich ein ganz simpler: im Vorfeld, beim Studium des Line-Ups des VBS, fiel mir bei ihm sowohl optisch, als auch nach den ersten Hörproben, eine gewisse Ähnlichkeit mit Tom Petty auf. Und da ich Tom Petty sehr mag, war der Entschluß, Elliott Murphy zu hören, relativ schnell gefasst.
Die folgenden Recherchen (Internet sei dank!) förderten dann aber Außergewöhnliches zutage: hat doch dieser Mann in seiner über 35jährigen Karriere bereits 30 Alben, etliche Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht, lebt hauptsächlich in Frankreich (trotz über 100 Auftritten europaweit pro Jahr), und sein bester Freund ist ein gewisser Bruce Springsteen (bei dem er auch sehr oft als Überraschungsgast auftritt) Gründe genug also, mit freudiger Erwartung in einen gut besuchten Reigen zu kommen.
Als Elliott Murphy (voc, git) die Bühne betritt, fällt mir zuerst einmal seine relativ geringe Körpergröße, die aber einem selbstsicheren Auftreten nicht hinderlich ist, und eine tatsächliche Ähnlichkeit mit Tom Petty auf.
Mein nächster Eindruck: da steht ein etwas kauziger, extrovertierter Liedermacher (den Begriff Singer/Songwriter will er auf sich nicht unbedingt angewendet wissen), musikalisch vielleicht dem Folk/Folkrock zuzuordnen, irgendwo angesiedelt zwischen dem schon erwähnten Tom Petty, Kris Kristofferson und Bob Dylan (nach seinem ersten Album, 1973, wurde er ja schon als neuer Dylan gefeiert), ich würde ihn als Storyteller, als Geschichtenerzähler bezeichnen.
Seine Songs sind formal ähnlich aufgebaut, die Melodie gerät dabei oft in den Hintergrund, seine Musik lebt von seinen unglaublich intelligenten Texten, in denen er Geschichten erzählt, oder mit Worten Stimmungen beschreiben und Bilder zu zeichnen vermag.
Dabei unterstützen ihn Musiker, seine Normandy Allstars, die ihn mehr als nur begleiten:
Olivier Durand (git, voc) ist mittlerweile ein fast unverzichtbarer Teil von Murphys Musik geworden: er ist nicht nur Co-Autor etlicher Titel, sondern sorgt mit seinem Gitarrenspiel der Extraklasse während der Konzerte auch dafür, dass die Songs rund und als Ganzes da stehen. Faszinierend, welche Töne er einem einzigen Instrument zu entlocken mag!
Murphy und er führen während des gesamten Konzertes eine intensive Kommunikation über ihre Gitarren, sie teilen sich quasi die Songs - Elliott singt seine Texte, Olivier leistet die musikalische Hauptarbeit.
Laurent Pardo (b, voc) ist zwar ein Musikant der zurückhaltenden Art, betont im Hintergrund agierend, aber als Bassist merkbar in jeder Phase ein großer Könner.
Ein Erlebnis der besonderen Art ist Drummer Alan Fatras (dr, voc): ausgestattet mit einer Physiognomie, die man eher dem Mitarbeiter eines Schlachthofes zuordnen würde, bearbeitet er sein Drumkit einerseits mit einer Energie und Kraft, dass man sich um seine Unversehrtheit Sorgen machen muss, andererseits mit einem Tempo und einer Behändigkeit, die man seinem massigen Körper niemals zugetraut hätte.
Nach einem soliden ersten Set und der üblichen Pause gab es dann auch eine Preisverleihung: Dietmar Hoscher überreichte den Concerto-Poll an Elliott Murphy für den 3. Platz in der Kategorie Bester Künstler Folk, World, Singer/Songwriter sowie als Bester Künstler Pop & Rock (was das Ganze wieder etwas relativiert).
Der Preis dürfte Murphy gefallen haben, denn seine ohnedies schon gute Laune steigerte sich nochmals, und alle liefen zur Hochform auf. Die Songs gewannen an Intensität und der Übergang vom Liederabend zur Party war geschafft. Schon herrschte kollektives Mitklatschen und (von Murphy animiert) auch vereinzeltes Mittanzen.
Man war im Murphyland angekommen.
Alle erfolgreichen Titel gab es zu hören: A Touch Of Kindness, And General Robert E. Lee, The Last Of The Rockstars, und wie sie alle heißen. Bei I Want You konnte Murphy beweisen, dass er (zumindest von der Interpretation her) der bessere Bob Dylan sein könnte, Hommagen gab es an Bruce Springsteen (Born To Run) und (politisch korrekt) Barack Obama (Time For Change).
Einer Zugabe folgte die nächste, und als Murphy mit einem dezenten Hinweis auf seinen Jetlag genug hatte, wollte Durand noch eine spielen - schon war es Mitternacht, und an eine Heimfahrt mit der letzten U-Bahn war nicht mehr zu denken.
Man hätte ja sonst noch den absoluten Höhepunkt versäumt: die Überreichung einer Geburtstagstorte durch den Überfan Conny an Olivier Durand samt Happy Birthday-Singen des Auditoriums, sowie eine wahrscheinlich noch nie gespielte Version von Anastacia (ohne Mikro!!!) toppte den stimmungsvollen Abend noch.
Es war ein Konzert, das mich mehr als zufrieden stellte, ein Konzertabend, von dem ich keine Sekunde missen möchte. An diesem Abend habe ich Elliott Murphys lange Geschichten erzählenden Blues, den countrydurchsetzten Folk, und die Melodien, die immer mehr zu schweben anfangen, je länger ein Lied dauert, näher kennen und auch lieben gelernt.









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