Blues.at Top Logo

Konzert Berichte

Foxhole Roots Crew I / 7.8.09 / "local"

Gleich zwei Reviews erhielten wir zum Gig der Foxhole Roots Crew am 7.8.2009. Hier ist der Beitrag von Ernst:


Foxhole Roots Crew @ „local“
07.08.2009

Wenn ein anerkannter Musiker ein eigenes Lokal führt, und dieses Lokal auch für Konzertveranstaltungen nützt, dann kann man schon Einiges erwarten. Wenn dieser Musiker aber Christian Becker (wer kennt „Beckermeister“ nicht?) heißt, und sein Lokal „local“ (www.local-bar.at) , dann kann es auch schon Besonderes sein.

Und etwas Besonderes, gedacht für Freunde des „ursprünglichen“ Blues, für „Rootsmusik“ reinsten Wassers, versprach also der Auftritt der „Foxhole Roots Crew“ – der lustige Name dieser Gruppe steht für eine Kooperation der „Bluesbrüder“ Sam Simon, Chris Fillmore, und Jimi Dolezal.

Leider ließ das schwüle, heiße Wetter die potentiellen Konzertbesucher eher in Richtung Gastgarten, Donauinsel, Summerstage, zum benachbarten „Brandauer“, oder sonst wo hin ziehen, als ins „local“, sodass sich der Publikumsandrang leider doch etwas in Grenzen hielt…

Sam Simon ist „The Leader of the Pack“, der alle Songs mit seiner an Chris Rea und den jungen Hans Theessink erinnernden Stimme und Art, prägt und sie manchmal etwas brachial und „heruntergeholzt“ interpretiert, sodass durchaus Wünsche nach ein wenig mehr Gefühl wach werden könnten. Aber das ist eben sein eigener, unverwechselbarer Stil.

Jimi Dolezal ist ein aufmerksamer Begleiter, der ab und zu auch markante Licks und Riffs einstreuen „darf“, und Chris Fillmore hält sich wie immer sehr dezent im Hintergrund, und überlässt seinen Freunden bereitwillig den Platz im Rampenlicht.

Und die Freunde des „ursprünglichen“, erdigen Blues kamen auch voll auf ihre Rechnung: eine Mischung aus Altem, Neuerem und Eigenem erfreute jene Spezies von Bluesliebhabern, die man „Puristen“ nennt. Auch Reverend Frank TT, Hermann Posch, oder Sissi und Werner Simon, die unter den Besuchern zu sehen waren, dürften am Gebotenen Gefallen gefunden haben.

Ich für meinen Teil als „gewöhnlicher“ Musikfreund hatte aber mit dem ersten Set gewisse Probleme: spätestens nach der vierten Nummer im selben Rhythmus und in derselben Tonart konzentrierte sich meine Aufmerksamkeit mehr auf die Raumtemperatur und das rasend schnell warm werdende Bier, als auf die Musik. Das war nicht die „Foxhole Roots Crew“, das war nur ein gemeinsames Nebeneinander, das war „Sam Simon mit Begleitung“. Hier bedarf die Setliste doch einer dringlichen Überarbeitung!

Erst bei „Run Joe“, als Sam auf die Weissenborn wechselte, und Chris Fillmore seine Gitarre wie einen Kontrabass zu spielen begann (zu sehen auf http://www.youtube.com/watch?v=n0jgmsd7mfs ), hob sich die Stimmung (und nicht nur die meine!).

Ganz anders aber dann das zweite Set: plötzlich war Abwechslung und Originalität Trumpf, und der Abend gewann die Qualität, die den Abend dann auch „besonders“ machte! Neben Sam Simon begann dann Jimi Dolezal zu brillieren, und auch Chris Fillmore machte sich (endlich!) etwas mehr bemerkbar: ein scheinbar beiläufig eingestreuter Lauf, und auf einmal war er da: DER Ton, auf den man schon den ganzen Abend gewartet hatte, DER Ton, wegen dem man gekommen war, und der die Körperbehaarung aufrichtete.

Vergessen waren die anfänglichen Leerläufe, das war Musik, wie sie sein soll, auf den Punkt gebracht. Ein sensationelles Medley etwa, aus Van Morrisons „Crazy Love“ und Curtis Mayfields „People Get Ready“ gemixt, ließ auch die letzten Zweifel schwinden, dass man vielleicht woanders etwas versäumt hätte.

Die letzte U-Bahn?
Fährt die hier überhaupt wo? Wen interessiert’s?
Nur die Musik zählt…

Nach zwei Zugaben durften die Akteure dann endlich von der Bühne, und sich gemeinsam mit den noch verbliebenen Besuchern über einen letzthin doch sehr gelungenen Abend freuen.

Die „Foxhole Roots Crew“ kann man auf alle Fälle als ein Versprechen für die Zukunft bezeichnen. Ein wenig Arbeit ist aber schon noch von Nöten.


(Ernst)


Beitrag auf YouTube
HP "local"
Foxhole Roots Crew auf MySpace




10.08.2009 12:24 Hannelore

Kommentare

Hobo

Hallo,
Also ich fand nicht das dass erste set einen leerlauf hatte.
das problem bei uns ist ,wenn eine band nicht den gewöhnlichen tschunga tschunga groove spielt dann wird gerätselt warum die nicht wie so viele tschunga tschunga tschunga tschunga spielen?
Der blues oder die rootsmusic geht gottseidank viel weiter und bei sam simon, chris fillmore,jimi dolezal merkt man das sie auch kelly joe phelps,keb mo,ry cooder usw.hören und wie ich finde spielen sie diese musik fantastisch.
Es sind die leisen töne und die noten die nicht gespielt werden die den sound dieser kombo ausmachen.
Also spitzt eure "schweinsohren" den wer ohren hat der höre;-)
Für mich war es ein super schönes konzert und ich wünsche mir für diese band das sich viele musikinteressierte diese sachen anhören.
Weil warum? ES IST GUTE MUSIK!
lg hobo I.R.

11.08.2009 11:32
Sue

Nachdem ich selbst Ohrenzeuge dieses beschaulichen Konzerts war, möchte ich der Feststellung, Sam Simon hätte die Töne etwas brachial heruntergeholzt entgegensetzen, dass ich sie als sehr gefühlvoll und wohltuend wahrgenommen habe. Mich hat seine Stimme an Chris Whitley im tonal tiefen Bereich erinnert. Der gesamte Gig war mal was ganz anderes auf diesem Sektor und einen wesentlichen Unterschied vom ersten zum zweiten Set konnte ich nicht bemerken. Es war ein samt und sonders höchst empfehlenswertes Konzert und ich wünsche dieser Band viel Erfolg und hoffe aus Eigeninteresse, dass sie viele Konzerte in erreichbarer Nähe spielen.

12.08.2009 14:25
tja

und ich hab das Konzert NICHT gesehen und mich nur über den wichtigtuerischen Konzertbericht geärgert - ohne einen der Beteiligten vor oder auf der Bühne wirklich gut zu kennen.... da hab ich mich gefragt, was das soll... kam mir vor wie "wer selber kein Talent hat, wird "Kulturjournalist" und spielt sich dort ein bissl auf.... ;)

16.08.2009 08:39
Ernst

Genau so habe ich mir das vorgestellt, dass ich jetzt von den Spezialisten geprügelt werde.
Musiker mögen vielleicht einen anderen Zugang dazu haben, als das "gewöhnliche" Publikum - aber es ist das "gewöhnliche" Publikum, das die Mehrheit darstellt, das letztendlich "unterhalten" werden will - und das das Geld in die Kassen bringt.
Ich habe die Drei ja nicht das erste Mal gehört, und die "Kritikpunkte" decken sich auch mit der Meinung von Leuten, die nicht nur im "local", sondern auch im "Concerto" und im "Carina" waren. Und diesen Leuten kann man durchaus Musikverstand und nicht nur "Schweinsohren" zugestehen.
Außerdem: wenn es KEINE gute Musik wäre, würden wir ja auch nicht regelmäßig zu solchen Veranstaltungen gehen (im Gegensatz zu jenen, die nichts hören und niemand kennen, aber dennoch glauben, über irgend etwas in irrelevanter Art und Weise urteilen zu müssen....).

18.08.2009 11:37
Michael

Lieber Ernst!

Das "gewöhnliche" Publikum, das "unterhalten" werden will und das Geld in die Kassen spielt, war Deinen eigenen Ausführungen zu Folge ja nicht gerade zahlreich vertreten. Somit wird`s mit dem Geld wohl nicht so weit her gewesen sein für die Musiker - was in diesem Genre ja nicht gerade die Ausnahme ist.

Die Korrektheit einer Beschreibung ist - Gott sei Dank - auch keine Frage von Mehrheiten. Daher fällt es mir auch nicht sehr schwer, dem Urteil eines anerkannt erstklassigen Bluesmusikers wie Hobo etwas mehr Glauben zu schenken.

Und wenn Du Kritik übst, solltest Du damit rechnen, selbst auch kritisiert zu werden ;)

Blues + Gruß,
Michael

19.08.2009 00:23
fixifoxi

Lieber Ernst! du wähnst dich ja selbst als spezialist wenn man deine konzertberichte verfolgt. das ist einfach wichtigtuerei in meinen augen.... stell dich rauf und machs doch selber viel besser - anscheinend weisst du ja, wie es geht. und schau an - selber reagierst auch empfindlich - jetzt kannst dir vorstellen, was die musiker empfinden wenn jeder "hausmeister" schon seinen schriftlichen senf zu jedem konzert abgibt. dagegen spricht im grunde überhaupt nichts und das gehört auch so - aber bitte direkt ins gesicht der beteiligten und sich net hinter einem bildschirm und einer tastatur verstecken und klug daherplappern... denn das ist oft einfach beleidigend und net konstruktiv oder sonst was....

20.08.2009 12:15
Sue

Lieber Michael,
liebe/r Fixifoxi (wer immer das sein mag),

ich kann euren einwand in jeder hinsicht beipflichten.

was bei Kritik, unabhängig davon ob sie angemessen, zutreffend oder schwachsinnig immer aus den augen verloren wird, ist das dies eine subjektive meinung einer einzelnen person ist. in diesem konkreten fall liest sich die kritik leider wie ein urteil, aus meiner sicht ein glattes fehlurteil.
zuletzt stelle ich die rethorische frage, was bei diesen kritiken eigentlich ständig die beschreibungen von Bambis im Wald, Kälte, Wärme und warmes Bier mit der dargebotenen Musik zu tun haben?
Braucht das "gewöhnliche" Publikum diesen "täglich Alles" Stil um die eigentlichen Information besser verdauen zu können?

23.08.2009 13:27
Kommentar hinzufügen    
:

:

: