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Konzert Berichte

Sonny and The Wild Cows / Davis / 17.2.10

Bläsi war wieder einmal musikalisch unterwegs und erzählt vom Konzert von Sonny and The Wild Cows im Davis am 17.2.10.


Dass es in Ungarn gute Musiker gibt, ist an sich keine Überraschung, nur vermutet man sie eher in den Csardas als in Bluesclubs. Kurzfristig von blueSimon am 17.2.2010 eingeschoben ließ der Name der Band „Sonny and His Wild Cows“ mit der extra Attraktion „Rhythm Sophie“ eher eine Rockabilly oder gar Psychabilly Band befürchten, und dies wurde durch das Outfit der Herren (nur die Dame erschien im „kleinen Schwarzen“) verstärkt.

Nach einem etwas lampenfiebrigen Beginn – immerhin war es der erste Auftritt der Band in Österreich und der Beginn einer Tournee nach Deutschland und Belgien – fingen sich die Herren mit den unaussprechlichen Namen (alle haben natürlich Künstlernamen) bald und spielten sich durch ein Repertoire bekannter Vorbilder (Muddy, Lenoir, Wolf etc.). Und das nicht schlecht! Alle fünf verstehen ihr Handwerk und spielen im Kollektiv soliden Blues und Rhythm & Blues mit viel Druck und Groove. Sie wirken sehr gut aufeinander eingespielt und dürften viel proben, da sitzt jeder Rhythmus, jedes Break und jedes Riff. Allerdings war für meinen Geschmack etwas zu wenig Platz für Soli, alles wirkte durcharrangiert und die meisten Nummern geraten daher auch zu kurz. Vor allem vom Harpspieler (offensichtlich beeinflusst von Sonny Boy II, James Cotton etc.) hätte ich gerne mehr gehört, er bewies aber mit einer soliden Begleitung seine Klasse.

Der Pianist hat sein Handwerk gelernt und würde vermutlich auch in einer Jazzformation gute Figur machen. Er hat seinen Boogie drauf und spielt ein solides Begleitklavier, ein paar Mal hört man ihn auch solieren. Sunnyland Slim hat er ausgiebig gehört, aber auch Ragtime und Stride sind ihm geläufig. Bass und Drums lassen keinen Wunsch offen und sorgen für ordentlichen Drive. Der Frontman kann Bluesgitarre spielen und drängt sich damit nicht zu sehr in den Vordergrund. Schwarz klingt er nicht, und seine Gimmicks erinnern an Buddy Holly oder Gene Vincent – ob er nicht doch ein ehemaliger Rockabilly ist?

Die zierliche Frontdame ist noch keine 25 und hat eine Stimme irgendwo zwischen Jackson und Joplin – ein mächtiges Organ aus einem kleinen Körper. Irgendwie erinnert sie mich auch an die selige Jo Ann Kelly, aber ich bezweifle, dass sie die jemals gehört hat. Ein Problem habe ich mit dem Akzent beider Vokalisten, die sind einfach kaum verständlich. Dem überwiegenden Teil des Publikums scheint das aber nichts auszumachen.

Der zweite Set beginnt superb mit Buster Brown´s „Don´t Dog Your Woman“ und die Harp kann sich entfalten. Danach „Tin Pan Alley“ (Homesick?) und „Bucket Got A Hole In It“ (Wo haben sie denn das aufgeschnappt?). Sophie kommt zurück mit „Easy Baby“ nach Ann Cole und „Gimme Whatcha Got“ nach Julia Lee. Es geht ins Finale mit Höhepunkten: „Tight Like That“ (ich verstehe „It´s Mad Like This“) im Stil einer Jugband, klingt wie Cook´s „East Coast Rag“ und der Drummer packt die Rattle Bones aus, Tampa Red´s „All Mixed Up Over You“ und als Schlusspunkt „Raining In My Heart“ von Slim Harpo, interpretiert als Swamp – Pop Schnulze.

Ein unterhaltsamer, abwechslungsreicher Abend, die Münchner und die Belgier dürfen sich freuen. Alle können zufrieden sein, nur die nicht, die zu Hause geblieben sind.


(Bläsi)



22.02.2010 12:53 Hannelore

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