Konzert Berichte
Bauer mit Durst XXL / Cafe Falk / 12.3.10
Hermann Harrauer hat in unserem Forum einen Konzertbericht gepostet, den ich gerne auch hier freigeben möchte. Er berichtet vom Gig Bauer mit Durst XXL im Café Falk am 12.3.2010.
Unabhängig von den Lebensjahren kann man als relativ "Junger" in eine Szene geraten — falls die Formulierung so ankommt —, die eine immer rarere Eigenschaft hat: zu faszinieren, zu begeistern, neugierig bis sogar gierig nach weiteren milieugleichen Erlebnissen zu machen, denen man aus echter Begeisterung die Höchstnote der Wertigkeit zubilligen möchte. Diese geraffte Prämisse ist ohne jede Einschränkung dem 12. 3. 2010 im legendären CAFE FALK und dem dort erstmals aufspielenden Quartett zu überreichen.
Zunächst ein paar Neuling-Beobachtungen zum Lokal: sogar bis zum letzten Stehplatz voll, zeitgemäß überreich beraucht (BM Stöger war nicht da), flink und freundlich, clever (spielt nicht auf manch urige TV-Werbung an) in der Bedienung (zur Erläuterung: auch wenn man auf dem Bierdeckel Strichlein für die Zahl der geleerten Gläser macht und bei dieser angestrebten Selbstkontrolle einmal einen Strich über einen bereits bestehenden macht, was eine verflixte mathematische Kontroverse mit den Mundschenken auslöst: richtig gezählt wird hinter dem Tresen!) kommt man auch mit hohen Barhockern mangels Alternativen zurecht. Zusammengefaßt: Ein sympathisches Lokal mit bewundernswerter Bedienung. Andernorts kennt man auch anderes.
Doch viel ausführlicher, ja hingebungsvoller kann nur das sein, was zu hören war. Der Name der Formation enthält zwei Qualitätsinsignien, die der gesamten Bluesszene nicht nur wohltun, sondern ihre Verdienste um sie unverstehbarerer Weise kaum attestiert findet: die eine Qualität heißt, leicht merkbar, BAUER. Das ist ANDI BAUER, und die andere läßt sich DURST rufen. In dem werbemäßig anderwärts überfrachteten XXL steckt der HANNES (DURST) und, strategisch clever (vgl.oben!) verpackt das Empfinden des Zuhörers ab dem ersten Ton: unstillbarer Durst nach mehr und mehr und mehr Musik dieser Gruppe. Es ist nur kläglich zu beschreiben, mit welchem Tiefgefühl diese vier (wir vergessen nicht, den E-Bass des BIG [welch launige Namensgleichheit!] ANDI BAUER und RUDI BUCHINGER, drums) die emotionsreiche Musik gespielt und gesungen wird. Selbst wenn man viele Dezennien des Lebens voll Erlebensfreude in der Klassik genießen konnte, bannen die lyrisch weichen, die akustischen Erlebnisebenen aufrüttelnden sanften Töne des Gesanges der beiden Artisten Andi und Hannes, ihrer Gitarren und der Harp von Andi. Doch aufgepaßt, plötzlich "reissen sie die Halle nieder, zünden die Rock- & Boogierakete". Die Bandbreite der Band in so dürre Worte zu bündeln wäre eine schlimme Verfehlung am hohen Ethos dieser "GLORREICHEN VIER". Und das kommt aus den Beobachtungen schon etlicher Abende mit ihnen, die nicht damit hinter dem Berg halten möchten, daß die sprungartigen Steigerungen einer der speziellen Qualitäten des Abends waren.
Allen Bluesigen ist der/das FALK zu empfehlen (kaum Parkprobleme!), und BAUER MIT DURST XXL nicht zu kennen, muß man sofort als eine der tiefgreifendsten Versäumnisse in seine Biographie schreiben. Das gilt auch für die vielen, die Andi Bauers weitere Formationen (Vienna Blues Affairs, Greyhound Gang, Jig-Saw Puzzle) mehr als einmal trafen.
Bedauern an alle, die diesen Abend nicht miterleben durften!
(Hermann Harrauer)









Kommentare
Clever
Danke Hermann für diesen großartigen Bericht aus sehr feiner Feder! Hut ab, welch großer hat unsere bescheidene Schreibwerkstatt betreten!
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir des öfteren an Texten aus Deiner Feder teilhaben dürften.
Und ich werd mir mal bei der nächsten Gelegenheit das Falk von innen ansehen, vielleicht nach dwm nächsten Besuch beim Znenalik