Konzert Berichte
Siggi Fassl - Villa Kunterbunt, Preßbaum
Hermann berichtet vom Konzert von Siggi Fassl in der Villa Kunterbunt, Preßbaum, vor einigen Wochen (ich habe es leider nicht geschafft, das genaue Datum herauszufinden :-)).
Über einen Musikabend erst nach bereits einigen Wochen berichten zu wollen, braucht nicht nur eine nicht zu knapp ausfallende Begründung, die, so dies gelingt, als Resultat der geforderten Gedankengänge sich ergeben könnte.
Ansatzpunkt war, was zwar allen bewußt, aber wahrlich nur sehr selten auch so gesehen wird: Musik haftet wie sonst kaum einem anderen Geschehen an, daß sie, sobald sie erklungen ist, schon nicht mehr als Realität existiert. Wer hier Einwände — zurecht — erheben möchte, denke an die scheint´s banale, aber dafür um so echtere Wahrheit der Redewendung, etwas sei Schall und Rauch, d. h. kaum gewesen, schon vorbei. Dehnen wir die Gültigkeit dieser Wahrheit weiter aus, wird bewußt, daß das für alles gilt: für die Zeit, für die Ereignisse in der Zeit, für das Leben.
Was kann also an einem Musikerleben (was hier nur paradigmatisch und stellvertretend für so vieles anderes dienen soll) sein, daß auch Wochen später die Lebendigkeit in der Erinnerung so verwachsen ist, daß gleichsam Bildmaterial zuhanden liegt.
Es soll ein Versuch sein, das Rundherum um ein solches Musikerlebnis mehr als in den sonst ganz musikorientierten Berichten festzuhalten.
Da ist einmal der bunte Zylinder als Orientierungspunkt und zweifelsfrei auch als Hausmotto ein Signal der Wohlfühlmöglichkeit. — Da könnte ein extempore angebracht sein: wir alle sind an die Außensignale „unserer Hörheime“ gewöhnt. Machen sie wir uns in diesem Moment bewußt: spontane Beschreibungen wären leicht vom Louisiana, Davis, Tunnel, Vogelkeller, Bamkraxler Jazzland, Bierkanzlei, Soulveranda, einst Birdland, Metropol, Local, Falck, Saloon, Reigen: Sie alle geben im allgemeinen beim Hinkommen das Gefühl, angekommen zu sein. — Und drinnen: der mächtige Kamin, die wuchtigen halbrunden Deckenbalken, die Zapfsäulen hinter der Theke, das bunte Gemisch alt- und ehrwürdiger Sessel, Liege- und Lümmelbänke, die leicht erhobene Bühne, karg und zweckbestimmt. Ja, da paßt Blues herein.
Und da sitzt er auch schon und werkt mit Kabel, Sessel, Verstärker und Stimmgerät. Er: Siggi mit dem Markenzeichen der trendigen Haarwelle. Es kann nicht anders erklärt werden: er zieht sie in immer dichter werdender Schar an. Und wohl einer der stärksten Eindrücke bleibender Charakteristik: Vom ersten Ton an gibt es kein ausklingendes Gespräch im Publikum. Wie auf ein gemeinsames Abkommen wird nur mehr gelauscht. Das kann doch nur die Harmonie der Raumgestaltung und Raumausstattung zusammen mit den nicht verklingenden, sondern immer von neue abgelösten Gesangs- und Gitarrentönen die sich steigernde Bannkraft gewesen sein, die die Spannung im frenetischen Applaus abbauen durfte.
Wer zu den Verehrern des Künstlers Siggi Fassl gehört und ihm schon etliche Jahre hindurch gebannt lauscht, wird an diesem Villa-Abend zusammen mit einigen davor unverkennbar festgestellt haben, daß die bewunderswerte Konsequenz, nur mehr „0,Josef“ zuzulassen, eine derartige Steigerung der kompakten Ausstrahlung ermöglicht hat, was insgesamt zum eindeutig tiefsten und erinnerungsstärksten Abend des Jahres führte. Noch kaum hat er je zuvor mit einem Instrument, ob sechs- oder zwölfsaitig, ein Orchester von der Bühne herab in Trab gehalten wie an jenem denkwürdigen Tag in der Kunterbunt. Welches Purgatorium war wohl die Entstehung des „I did the same mistake again“!
Heute, Wochen später, bestreite ich die Redewendung von Schall und Rauch der Musik. Stimmen Atmosphäre des Platzes, des Raumes und Präsenz der Musik und des Musikers überein, bilden sie ein Powerduo, dann vermag die Tonfülle lange Zeit zu überdauern und bleibt demjenigen immer wieder hörbar, der sich dieser Eindrucksfülle zugewendet hat.
Die Lehre und zugleich der Gewinn aus diesem Abend im Wienerwald, nahe Preßbaum: Ich gehe seither immer mit einem „Schluck“ des Musiklokal-Ambiente zum nächsten Event.
Ich schrieb das mehr für mich. Aber wer möchte: gefahrlose Selbsterfahrung kann überaus gewinnbringend sein.
Hermann









Kommentare
Rudi Langer
Der Gig fand am Samstag, den 13.03.2010
in der VILLA KUNTERBUNT / 3012 Pressbaum / Pfalzau 127 statt.
Nur so, für Chronisten!
Danke Hermann für Deinen überaus hochstehenden Bericht.
Nur über Siggi's Musik zu schreiben wär' eh' zu wenig, muss man unbedingt hören!
Ich finde Deine o.a. Beschreibung über die Aura dieses Musikers ist für mich ein erquickender u. seltener Quell von einer unmittelbaren Art der Beschreibung!
Danke, Rudi
Sissi
.... einmal mehr Hermann: DANKE für den wunderbaren Bericht,
wie (fast) schon gewohnt ein herrlicher Gesamteindruck des Abends, beim Lesen glaubt man beinahe dabei gewesen zu sein..... bis bald und lieben Gruß, Sissi