Konzert Berichte
R&B Caravan mit den Arlt-Brüdern in der Moormühle Burgdorf/BRD, 5.6.2010
Werner und Sissi Simon sind immer unermüdlich in Sachen Blues unterwegs. Diesmal nahmen sie die weite Reise nach Dresden auf sich, um uns vom Konzert der R&B Caravan mit den Arlt-Brüdern in der Moormühle Burgdorf/BRD, 5.6.2010 zu berichten.
R&B Caravan mit den Arlt-Brüdern in der Moormühle Burgdorf/BRD, 5.6.2010
Wie allgemein bekannt sein dürfte, ist der Caravan ihr Frontman abhanden gekommen. Dies führte in der Folge zu einiger Verwirrung und Aufruhr, mussten doch eine Reihe gebuchter Konzerte abgesagt oder in Übereinstimmung mit den Veranstaltern mit einer Vertretung durchgeführt werden – keine leichte Übung, denn – wer kann einen Norbert Schneider ersetzen?
Nun, im gegenständlichen Fall gelang es Paul Rohde, dem Chef der „Jazzfreunde Altkreis Burgdorf“, mit Andreas und Michael Arlt von BB & The Blues Shacks zwei Spitzenmusiker zu verpflichten, die zwar stilistisch nicht mit Schneider zu vergleichen sind, deren musikalische Qualität aber absolut unzweifelhaft ist.
Es erhob sich die Frage, wie denn ein solcher Gig ablaufen würde. Bekannte Caravantitel ohne Norbert zu spielen wäre mehr als gewagt; ein auf die Shacks ausgerichtetes Konzert würde andererseits bedeuten, auf Feinheiten unserer heimischen Band zu verzichten – die Quadratur des Kreises? Noch verschärft wurde die Problematik durch die Tatsache, dass keine einzige
Probe abgehalten werden konnte, also völlig spontan gespielt werden musste. Es war also vorweg davon auszugehen, dass man sich auf bekannte Standards verständigen würde, die allen Musikern geläufig sind.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass sowohl Sissi wie auch ich äußerst neugierig waren, insbesondere auch dadurch, dass ein Caravan Gig auch für das Davis ansteht, bei dem Herby Dunkel die Rolle des Frontmans übernehmen wird.
Also nicht lange überlegt, hinein ins Auto (am Donnerstag), unterwegs noch schnell Dresden, Leipzig und Magdeburg besichtigt und Freitag abends in Burgdorf eingetroffen und Quartier bezogen (Achtung: Die Moormühle ist ohne Navi nicht leicht zu finden!). Tom Müller, Andreas Sobczyk, Dani Gugolz und Peter Müller wurden für Samstag gegen 16h00 erwartet, Michael und Andreas Arlt etwas später. Alle kamen aus der Heimat der Shacks, Hildesheim am Rhein, wo schon am Freitag ein Konzert in der gleichen Besetzung gespielt wurde. Überraschend kam die Caravan schon kurz nach 12 Uhr an, die Herren waren einigermaßen baff uns zu sehen, hatten wir doch niemandem unseren Besuch angekündigt.
Gegen 18h00 begann das Konzert mit der lokalen Gruppe „Red Box Blues Club“, sechs jungen Burschen mit Stehbass, sehr talentiertem Schlagzeuger und Gitarristen, dem Bandleader am Keyboard, der gut begleitete aber weniger gut solierte, einem offenbar noch in Ausbildung stehenden Altsaxofonisten, der nicht bei allen Nummern mitspielte, und einem recht ordentlichen Leadsänger. Mit Roscoe Gordon´s „Let´s Get High“ kam gleich richtig Stimmung auf und in der Art ging es auch weiter. „Killing Floor“ war ziemlich verunglückt, zumal der Sänger auf einem Kazoo nicht gerade brillierte. Der Gitarrist überzeugte mit einem Freddy King Instrumental, schön begleitet von seinen Mitstreitern. Die Band macht insgesamt einen gut trainierten Eindruck, alle Breaks sitzen, als Gimmick verharren alle ein paar Mal wie Wachsfiguren sekundenlang in der zuletzt eingenommenen Position.
Die Pause wurde vom Sänger/Gitarristen Pete Largo und danach dem Pianisten Niels von der Leyen ausgefüllt. Letzterer spielte ein paar Boogies, er dürfte stark von Axel Zwingenberger beeinflusst sein.
Dann endlich kamen die Arlts und die Caravan an die Reihe – man konnte auf das Zusammenspiel von Harp und Sax gespannt sein, eine nicht alltägliche Kombi. Der immer zu Späßen aufgelegte Michael verkündete „Meine Damen und Herren, Sie hören heute Norbert Arlt und Andreas Schneider und...“ und hatte die Lacher auf seiner Seite. Es ging gleich ordentlich zu Sache mit „Have A Good Time“, einem mittelschnellen Shuffle, der an Hollywood Fats erinnerte. Es folgte ein langsamer T-Bone Walker und eine gute Nummer nach der anderen, ich muss mich auf die absoluten Highlights beschränken: „Hush Hush“ von Jimmy Reed, von Michael diatonisch eingeleitet und chromatisch soliert, wurde von Tom Müller mit einem Saxsolo gekrönt – Ganslhaut!
„Rock Bottom“ wurde mehrstimmig gesungen und das Tenor klang wie weiland Maxwell Davis, und schließlich „Boogie Woogie King“ (von Jimmy Leggins, scherzt Michael) mit Andreas Sobczyks fetzigem Boogiepiano und superber Ensemblearbeit. Besonders erwähnt muss das Finale werden – bei „Jump For Joy“ rief Peter Müllers erwartetes (und von Paul Rohde auch angekündigtes) Schlagzeugsolo Begeisterungsstürme hervor. Fast unbemerkt schlich sich der Drummer der „Red Box“ auf die Bühne (es waren zwei Slingerlands nebeneinander aufgebaut) und stieg mit ein – eine freundschaftliche Drum-Battle auf höchstem Niveau. Der erst 22-jährige Michael Häfner passte genau auf, was Peter machte und lieferte eine bemerkenswerte Performance ab. Den Namen sollte man sich merken!
Mit einigen Zugaben und einer Jam Session ging das Konzert zu Ende.
Einige abschließende Bemerkungen:
Alle „Haupt“-Akteure waren in Hochform und mit großer Spielfreude am Werk. Besser swingen als Peter und Dani kann niemand; Andreas Sobczyk saß locker am (leider) E-Piano, subtil begleitend und mit zündenden Chorussen, Tom Müller hat sich zu einem richtigen Honker entwickelt, dessen Soli die Arlts staunen ließen und der gekonnt hinter Michaels Harmonika und Gesang riffte.
Erwartungsgemäß war es weder ein „herkömmliches“ Caravan- noch ein Blues Shacks Konzert, sondern eine Rhythm & Blues Show erster Güte.
Man darf gespannt sein, wie es mit der R&B Caravan weitergehen wird, die in der jetzigen Formation hoffentlich bestehen bleibt. Auf den nächsten Gig mit Herby Dunkel als Sänger/Gitarrist (18.6. im Davis) kann man sich schon jetzt freuen. Ob in der Folge ein „fixes“ Bandmitglied gefunden oder einfach Verschiedenes ausprobiert wird bleibt abzuwarten. Fest steht – eine Band dieser Qualität kann unterschiedliche Frontmen „tragen“.
Dank und Anerkennung gebührt auch Küchen- und Moormühlenchef Thomas Schneider (!!!) mit seinem Team.
Das weitläufige Ambiente des Geländes ist äußerst gepflegt und einladend, viel Liebe steckt in den Details. Der Abend war als open air Blues – Barbecue angelegt. Zwar war das Gegrillte „herkömmlich“, die Beilagen aber hatten es mit einem Hauch von Nouvelle Cuisine in sich - und wo sonst bekommt man schon einen wirklich guten Cole Slaw in Deutschland?
Werner Simon
Konzertmitschnitt I auf YouTube
Konzertmitschnitt II auf YouTube









Kommentare
Pete Largo
hi leute, schön zu lesen das ich auch dort einige songs zum besten gab.
es war auch schön, das ich von peter und dany begleitet wurde, aber das highlight war für mich, daßmichael arlt mir seine alte silvertone gitarre während der abschluss session in die hand drückte.
im nachinein kann ich nur sagen, es war ein toller abend, tolle kollegen, super essen und trinken, sowie die gastfreundschaft des gastwirtes thomas schneider. und so kann ihc mich auch nochmal für die spontane einladung der jazzfreunde burgdorf bedanken. meine frau und ich haben uns sehr wohl gefühlt und ich hoffe. daß wir uns alle irgendwie und irgendwann wieder begegnen. ganz liebe grüße, Pete Largo