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Konzert Berichte

9th Mojo Blues Parade 2010 / 12.6.10

Diesmal berichtet Hermann von der 9th Mojo Blues Parade 2010, die nach der vorjährigen Unterbrechung wieder im Hof des Finanzamtes Wien 8 stattfand.


9th Mojo Blues Parade 2010
12. 6. 2010



Noch sind es erst wenige Wochen her, da doch ein deutlich hörbares Raunen durch die bluesigen Terrains eilte: „Es gibt das Finanzamt wieder“, womit nicht an überraschend reparierte Staatsfinanzen gedacht war, sondern einzig und allein das zur fixen Einrichtung gewordene Musikerfest im wunderbaren Hof des Finanzamtes in Wiens Josefstadt. Zugleich hieß es Aus für alle Klagen und Verwünschungen gegen eine verquere, vermeintlich abgehobene, steuerzahler-feindliche (schließlich finanzieren ja wir „Die“!) Hinterhaltspolitik. Suchen wir nicht die Antwort auf die Frage: „Erik, wie hast Du das geschafft?!“ Sind wir einfach dankbar. Bewundert wirst Du ja sowieso.

Dieser gewiß etwas holprige Bericht würde halt gerne auch die erreichen, die am Kommen und Dabeisein gehindert waren; er greift einen Appell Trauners bei der zündenden Einleitung und Begrüßung auf, in dem es da hieß, wenn schon die Medien dieser Musik kaum Raum bieten: „So schreibt halt doch ihr“.

Um den Verlauf („laufen“ spielte eine nicht unbedeutende Rolle, an diesem Abend) adäquat zu folgen, gibt es einen Weg: schildern wie geschehen. Mit dem einen Zusatzpunkt: Bühne mit den vielen (immer mehr werdenden?) schwarzen Kastln (zur Erklärung: ein ahnungsfreier Laie schreibt) am vertrauten Platz, ein der Tontechnik dienender Altar scheint sich mit tollem Erfolg vermehrt zu haben (Genetik ist längst nicht mehr an Biologie gebunden!). Bänke und Tische und vor allem die Lebenserhalter = Trank- und Speißverteilertürme (Trauner wörtlich: „… man geht zur Parade wegen der Würstel“ O, du Publikum, in Musikeraugen!) wie in den vergangenen Jahren: Das schafft sofort bei Kommen (mit dem Stempel auf die Hand bei der Kasse: ja, das macht bewußt: Wir sind bezeichnete!) das Daheimsein-Gefühl. Weiß es das Publikum denen zu danken, die das geschleppt, gerückt, geschwitzt haben? Ja doch. — Schattenplätze waren heiß begehrt. Die Sonnenplätze förderten den Getränkeumsatz. so hat alles sein Gutes.

Und war man nicht schon vorinformiert, so las man eben jetzt die Programmpunkte und holte schon einmal Luft für das Kommende: Viel Neues, genau das, was die Bluesszene braucht: Das Traditionelle stark angereichert mit neuem. Wie da am Beginn mit Berry B. Goode, wie sie sich selbst deklarieren „A Rock´n Roll Tribute to Chuck Berry“. Wunderbar einem Zeremoniell verwandt dargeboten von Musikern, die es können (denen berichtet, die sich diesen Jahrhundertgenuß noch nicht geben konnten: Charlie Furthner, Didi Mattersberger, Werner Dorfmeister, Mika „Chuck“ Stokkinen, unser Finne). Allen künftigen Veranstaltern ist dringend nahezulegen, daß Mika einen Extrasteg ins Publikum braucht, um seinen athletischen Extras Freilauf zu geben, wie das ein anderer Mike (Jagger) auch braucht. Welche Leistung da dahinter steckt, macht deutlich, daß Mika für eine Nummer die Gitarre falsch stimmt, damit sie wie in Berry´s Hand klingt.

Aus dem Staunen gab es kein Entkommen, als Trauner eine Formation namens „Cajun Red Stars“ ankündigte und publikumswirksam und -freundlich vorstellte: „Volksmusik“ (mit starken Anführungszeichen!!), die nur in Louisiana gepflegt wird und auf ehemalige Zuwanderer aus Kanada (daher in einem merkwürdigen Antikfranzösisch) zurückgeht: anspruchsvoll, gefühlsbreit, mit Elan und Schwung vorgetragen, mit dem Wunsch seitens des Publikums nach Wiederbegegnung mit ihnen. Dem Erik kann man das schon zutrauen, sie wieder auf eine Bühne zu bringen.

Peter Crow´s mit den Weedwackers — wer erinnert sich nicht an die Crazy Hambons früherer Jahre (und an Krause´s eigene Story über das bemerkenswerte Publikum, das, in großer Zahl erschienen, den Peter Kraus erwartet hatte! Ja, ein „e“ mehr macht schon was her) — führte in ein anderes Musikzimmer. Und als hätte die Wetterregie von der Charakteristik dieser raumintimen Musik das gleiche gedacht wie gewiß einige im Publikum, beendete ein jäher Sturm mit nachfolgendem Guß und Hagel die bis dahin prachtvolle Hofatmosphäre: Peter Crow eilte ins Haus, nahm Publikum wie viel Platz fand mit und verwöhnte ohne Verstärker mit seiner kehlig-rauh-rauchigen Stimme. Andere Teile des Publikums rannte dem Unwetter in den Tunnel davon, wo ja eine „After Hours Session“ (ab ursprünglich 23 Uhr) in Aussicht gestellt war. Für diese gab es nun (so ab 21 Uhr) viel mehr Zeit, und viel zu wenig Platz.

Alle Bewunderung dem Manager, Organisator, Entertainer, Sänger, Harper (darf man einen Harp-Spieler so verkürzen?), Gitarristen, Vollblutmusiker! Sein Outfit dieses Nachmittags, Fühabends und Spätnacht (bis fast 2 Uhr) in purem Weiß (inklusive Hut) machte schon den Strahlenmann rundum und passend, wie was sonst.

Im engen Tunnel folgte die Programmergänzung, das war die unvergleichliche, großartige, herrlich gelaunte Dana Gillespie (mit Joachim Palden, Sabine Pyrker und Joe Kulisch für Tom Müller), einbegleitet von „Vienna Blues Histories“, die den Anfang der Mojo Blues Band wie auch Danas Vienna Life erklärte. Der Storyteller Erik Trauner wird hiermit aufgefordert, diese und viele andere Novellen der Bluesmusik aus seinem eigenen Leben verläßlich in einem Buch zu versammeln. Führt ja zu einer anderen Seite der Musik und Musiker: Man hört gerne ihre Musik, man hört gerne ihre Geschichten und man liest gerne, was sie autobiographisch festhalten. Erik, sei auch hier Frontman, fang an!

Zwar stand der Abend im Tunnel — mit perfekter Tontechnik in Stephans Pult — unter dem „Session“-Namen, aber: es sei hier versichert, es mehr als eine Session, es war mehr als eine Ergänzung der vom Unwetter gestörten Finanzamtshofperformance — auch das muß gesagt sein: Es gibt also Anlässe, daß man gerne in ein Finanzamt geht: Himmelpfortgasse, merk´s wohl! —, es war ein stimmungsreicher, musikvoller, harmonischer Abend. Hier aufzählen zu wollen, welche Musiker zusammen gespielt haben, würde eine Mitschrift protokollartig verlangen. Es mag nicht unwesentlich die Nachtstunden typisieren, wenn nur noch angefügt wird, daß die komplette Mojo Band auf der Bühne stand, mit wenigen Mutationen Siggi Fassl mit seiner Jerry Lee Louis die Temporakete zündete und im Handumdrehen der Tanzrhythmus der Sixtie Minute Man das unterirdische Gewölbe für sich okkupierte.

Staunenswert, wie das alles ablief. Anlaß genug zur Umbenennung in „Erik´s Day & Night-Show“. Ihm folgt nicht nur das Publikum, noch viel mehr: alle die Musiker mit, um und bei ihm! Seid bedankt, bewundert sowieso!


Hermann


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15.06.2010 10:20 Hannelore

Kommentare

Hannelore

Hier aus dem Newsletter der Mojo Blues Band:

Liebe Freunde, liebe Musiker

Nach einigen Tagen des Abstands zu den Ereignissen der Blues Parade 2010, möchte ich doch noch ein paar Zeilen an euch und an alle beteiligten Musiker richten.Mittlerweile zählen wir Parade Nummer 9 und noch nie zuvor waren wir gezwungen unser Bluesfest wetterbedingt abzubrechen.

Umso mehr schmerzte es, als es am Samstag bei Einbruch von Hagel und Sturm schon nach wenigen Sekunden zur traurigen Gewissheit wurde: An Weitermachen ist nicht zu denken. Während jeder versuchte sich so schnell wie möglich an einen geschützten Ort zu flüchten, mussten wir ebenso rasch Geräte und Instrumente in Sicherheit bringen. So wurden monatelange Vorbereitung und Vorfreude in Bruchteilen von Momenten weggeschwemmt. In diesem Augenblick größter Enttäuschung war ich knapp davor, mir nach 16-jähriger Raucherabstinenz eine Zigarette anzuzünden…

Peter Krause und den Weed Whackers gebührt besonderer Dank und Anerkennung. Er und seine Musiker setzten kurzer Hand ihr Konzert “unplugged“ in den Gängen des Finanzamts fort. - sehr zum Gaudium der dort versammelten Menschenmenge.

Bald danach übersiedelten wir mit einer beträchtlichen Zahl verbliebener Besucher ins Tunnel. Die anschließende Session sollte alle Anwesenden für die Unannehmlichkeiten mehr als nur entschädigen. Der Abend entwickelte sich trotz akutem Sauerstoff- und Platzmangel zu einer absoluten „Session Furioso“, wie ich es selber nur selten erlebt habe. Wirklich schade, dass dieser zum Bersten gefüllte Club zu klein war, um alle Paradebesucher zu beherbergen.

Daher möchte ich es nicht versäumen, mein Bedauern an all diejenigen zu richten, die nach Hause gehen mussten. Zum Trost sei gesagt, es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin konnten wir alle mehr als die Hälfte des Programms in wunderbarer Atmosphäre genießen.

Nochmals gilt mein innigster Dank an alle Mitwirkenden und an alle Besucher der 9ten Blues Parade.

Ich denke auch schon ein wenig an Nummer 10…………..

herzlichst

euer

Erik Trauner

25.06.2010 12:27
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