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Konzert Berichte

Vienna Blues Affair / Reigen / 9.4.11

Wieder ein Bericht von Hermann, diesmal vom Auftritt der Vienna Blues Affair beim VBS im Reigen am 9.4.11:


Vienna Blues Affair
Reigen, 9. 4. 2011

Eventbasis für den ganzen Abend mit Andi Bauers Gruppe war die Präsentation der ersten CD der VBA. Dazu verstärkte sich das auf einander fein abgestimmte Musikerensemble – alle “Hobbymusiker“ neben dem dominierenden Broterwerb im Lehrberuf – mit Caroline Alston, einer Sängerin mit einer Stimmkraft mehrerer Chöre, und mit Hannes Durst, dem congenialen Partner und Leadgitarrist in Andi Bauers “Bauer mit Durst XXL" (es gäbe hier mehr als den Anspruch auf weitere X im Bandnamen).

Aber: a) wer kennt nicht die Blues Affair und b) wer kennt nicht Hannes Durst?! Man bedenke den Luxus, zu Erich Pochendorfer einen weiteren Erstklasse Gitarristen auf der Bühne zu haben, die trotz reichlich differrierender Spielweise sich gegenseitig gleichsam tragen und im Zuhörerraum (wie üblich bei dieser Formation: g`steckt voll) schwerlich von den Stürmen des Applauses herunterkamen. Den einzigartigen Klangkörper tragen - und jetzt wird es für den Bericht echt schwer, weil jeder Name ein eigenes hohes Berichtsbuch eines versierten Literaten verdient; in Ermangelung dessen bleibt nur die Rückkkehr zum modesten Laien - Reini Ruiss mit dem Piano, mit seiner Ziehharmonika (speziell im "Bloody murder", was ihm sicher nie irgend jemand adäquart nachspielen wird: einfach schaurig schön, den Atem beklemmend), mit seiner Stimme, von der man ganz nüchtern sagen muß: bluesiger geht`s nicht. Als wäre in der Vergangenheit eine Kur mit Rauchwhisky therapieartig erfolgreich verordnet worden. Da geht es sogar soweit, daß seine, stets charmante, leicht spitzbübische Ansage einer folgenden Nummer die gleiche Bannkraft der Stimme einsetzt wie beim Gesang.

Am E-Baß Harri Ruiss, der neben dem gewohnt verläßlichem, in jedem Moment in beherrschtem und in rollegerechtem Spiel unaufdringlich den Sound mitträgt und in einer leider nur zu solchen Festanlässen gehörte Nummer von Mitch Rider ohne Hülse am E-Bass Sliding betrieb (Zitat nach dem Event: "Den ganzen Vormittag habe ich geübt. Jetzt brennen die Finger, wie nur.") und damit nicht nur das Publikum überraschte und phanatisierte, sondern auch Andi. Nach dem Konzert fragte Andi Teilhaber am Abend nach diesem speziellen Moment. Am liebsten wollte man dies sofort nochmals hören, aber, brennende Finger, siehe oben!

Werner Mairinger, die Organisationsseele der Band, ist mehr als nur einer einzigartiger Könner am Schlagzeug (dessen Mikrophon dann im zweiten Set so eingestellt war, wie es die Band und die Hörer brauchten: es ist ein seltsames Erlebnis, wenn man im Auditorium sitzend aus der Handbewegung sich das Schlagzeug selbst in einer raren Akustikoptik kreieren soll). Jeden Moment spielt Mairinger so perfekt, den Klang des Teams kraftvoll mitgestaltend, weil er jede Nummer nicht nur kennt, sondern auch so verinnerlicht hat, daß sein Beitrag zum Wohlklang, ob sanft oder drängend dramatisch, in Kürzestfassung mit "perfekt" tituliert gehört.

Erich Pochendorfer: Wo findet man das Vokabular, das seinen Umgang mit der Gitarre gerecht beschreibt? Es reicht längst dafür die Sprache nicht mehr, es hilft da nur das Dabeisein, und das widersetzt sich der Verbalisierung. Seine Stärke in jenen Passagen, in denen mit seinem Instrument die tief in der Psyche gebunkerten Gefühle und nur auf diesem Weg herausgelockt werden können, halte ich nach etwa 30 Konzerten als für andere als unerreichbar. Was ihm im Duett mit Hannes Durst, in dessen Tönen und Sequenzen immer ein Vorwärtsdrängen herausleuchtet, an Harmonie und Ausdrucksstärke gelungen ist, das kann nur nach möglichst vielen weiteren gemeinsamen Spielen auf`s Neue dem Publikum gegennüber abgestattet werden. Einzigartig, wunderbar, ein Riesendienst am Zauber feinsten Blueserlebens! Trotz ernster Haltung verzauberte er eine erstmals in seinen Händen gesehene Ukulele.

In der Mitte, auch der Band, steht der Stimmverführer Andi Bauer. Wer mit einer so beherzten, tragenden, überragenden Stimme ausgestattet ist, die Harp und die Gitarre so zum Mitgestalten führt, wer so unpretentiös agiert und zugleich immer Modestheit präsentiert, der braucht sich nicht um sein Publikum zu sorgen. Ja man erlebt es ja mit: Er mit seinen Formationen (die dritte Formation mit wiederum völlig eigenem Flair ist die Greyhound Gang) sind die Lokale voll bis meist überfüllt.

Caroline Alston führte sich im zweiten Set mit der programmatischen Ansage ein, es gäbe Männer, die sie nicht "akzeptiere", und solche, die sie sehr wohl "bewundere" (es waren präzisere Verba als die hier eingesetzten). Das machte sie zum Stilmittel, jeden einzelnen Musiker der VBA aus ihrer Sicht vorzustellen. Welche Bühnenwirksamkeit! Die dunkle Stimme hat weit, weit mehr als den Charakter eines Instrumentes, natürlich mit der Bandbreite von sanft mit messerscharf, wo alle Nuancen eingepackt sind: Wie anklagend war da "Mine man dont loves me". Den rettet kein Plädoyer mehr! Daß sie das Kapital zum perfekten Entertainment beherrscht, ist man geneigt vorauszusetzen. So plaziert sie Musik auch als Drama mitten auf der Bühne, die sogleich eine Aktriss in ihr findet. Und was das wert ist, konnte man in ihrer Interpretation des "Road 66" miterleben. Denn gerade dieser Song muß ja eine Vielzahl an aufstrebenden Artisten über sich ergehen lassen. So von Caroline Alston gehört, besteht nun kein Zweifel mehr, daß dies eine feine Bluesnummer ist. Wie wohltuend!

Der erste CD-Song"It`s A Blues Thing" ist tatsächlich die Programmankündigung auch des Abends. Wie intensiv das Rhythmuserlebens sein würde, signalisierte "Get Rhythm", aber da war man schon mitten drin. Aus dem Musikprogramm aber die Highlights des Abends anzuführend würde die vollständige Liste erfordern, oder im Eingestehen unverdeckbarer Subjektivität die Nische der Lückenhaftigkeit betreten lassen. Also mir klingen nicht nur die Ohren, sondern auch mein durchwühltes Seelenviertel in der Rückerinnerung an "I`m Bad" (mit einem neuen Solo Pochendorfers, in dem er mit einem Magneten seine Gitarre verzaubert); "Down to Virginia" (mit dem Gitarrenduett Durst & Pochendorfer). In die Pause führte "I`m going home" (Original von Ten Years After) als elegant dynamischer Boogie.


Als Großereignis "Tears": eine Komposition von Erich Pochendorfer: das war dann schon Psychocleaning in Reini Ruiss` dunkel düster geführtem Gesang zusammen mit Andi Bauers rauhem Timbre.


Wann erlebt man schon das Publikum als adorierender, die Töne aufsaugender und sie in sich versteckender Teilhaber am Musikgeschehen: Auf jeden Fall, wenn die ersten Töne zum Intro zu Andi Bauers Lebensbekenntnis "I Found A Woman" erklingen. In ihm tummelt sich humansozioloisches Empfinden angereichert vom Bekenntnis zu unvergänglicher Liebeserfahrung. Dessen sind nur ehrliche Gefühle fähig. Man kann kostenlos an einem Reichtum musikalischen Ausdrucks teilhaben: Augen zu und nur hören!


Es bleibt die Zeugenschaft, daß der erlebnisreichste Blues von der Vienna Blues Affair nicht nur der Abendgestalter sein kann, sondern, daß er hier von dieser Band frei von allen Kommerzattituden zelebriert ist. Gäbe es ein Ornat, das zurecht Musiker als die Inkarnation des Blues tragen müßten: Hier wären sie!


Zum Abschluß noch eine Ankündigung: Hervorragend im Herbst - ein Doppelkonzert -

Hooked on Blues und Vienna Blues Affair im Louis Braille Haus ! Wir freuen uns !



Hermann



14.04.2011 11:43 Hannelore

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