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Konzert Berichte

Boogie Woogie Gang / Vogelkeller / 29.10.09

Von Bläsi erhielten wir einen Bericht zum Konzert der Boogie Woogie Gang im Vogelkeller am 29.10.09:

Vor uns hat es in Österreich nur Al Cook gegeben, der den Blues spielte“, sagte Claus Nemeth zu Beginn des Konzerts.

Tatsächlich besteht die Band seit 1970 und rekrutiert sich aus Mitgliedern der „Red Hot Pods“; nur Pianist Peter Hofmann stieß erst später als Nachfolger Lothar Reichholds dazu, nachdem dieser zur Unzeit das Zeitliche gesegnet hatte. Zuletzt hatte ich die Herren beim Jazzfest in Essling erlebt und wenig Bluesiges zu hören bekommen. Mit eher geringer Erwartungshaltung pilgerte ich also in den Vogelkeller.

Tatsächlich begann die Gang mit ein paar Jazznummern, bei denen Nemeth auf Klarinette und Sopransaxophon brillierte und unschwer als eines seiner Vorbilder Sidney Bechet erkennen ließ, glücklicherweise ohne dessen penetrantes Vibrato. Das E-Piano klang ganz passabel und Hofmann präsentierte sich als ein vom Jazz herkommender Musiker. Für den rhythmischen Swing sorgten Bibi Libowitzky am Bass und Helmut Schneeweiss am Schlagzeug gekonnt und routiniert.

Die erste Nummer, die mich aufhören ließ, war „Egyptian Fantasy“, von Bechet 1941 eingespielt, eine „Tour de Force“ für Klarinette mit dem für New Orleans so typischen schrägen Rhythmus, wie er dort immer schon gespielt wurde und bei dem man die unterschiedlichen Einflüsse lateinamerikanischer und karibischer Musik hört. Ein Titel, der mich immer schon fasziniert hat, den mich aber nicht erinnere jemals live gehört zu haben.

Damit wäre der Abend für mich schon zufriedenstellend gewesen, aber es sollte noch viel besser kommen: „Juke“ sagte Nemeth, und ich glaubte mich verhört zu haben. „Juke, von Little Walter, dem ersten, der auf einer verstärkten Mundharmonika gespielt hat…“. Und sie spielten es tatsächlich, und gar nicht schlecht, auch weil ich so etwas überhaupt nicht erwartet hatte. Es wurde ein astreiner „Honker“ (an sich ein missbräuchlich verwendeter Ausdruck, aber jeder Leser weiß, was gemeint ist), ein Shuffle unterlegt mit Boogiepiano und dem passenden Rhythmus. Sehr schön – und doch - eine Bluesnummer, die von einem Jazzensemble gespielt wird unterscheidet sich deutlich von der Interpretation durch eine Bluesband. Es hört sich einfach anders an (wohlgemerkt: anders, nicht schlechter, nicht besser!). Hat sich eigentlich schon jemand unserer lokalen Bluesheroes dieses Titels angenommen?

Jetzt, dachte ich, jetzt kann ich eigentlich gehen, was besseres werde ich nicht zu hören kriegen. Aber halt – „als nächstes spielen wir eine Komposition von Peter Hofmann, den ‚Blues for Sissi’“. Für die Veranstalterin wurde eigens ein Musikstück geschrieben? Nein, nein, die Nummer bekommt immer den Namen des Lokals oder des Promoters wo sie aufgeführt wird und hat schon „Blues for Jazzland“, „Blues for Bamkraxler“ und sonstwie geheißen. Nichtsdestotrotz, noch ein Blues, und ein schöner noch dazu. Nemeth spielte auf zwei verschieden Harps, zuerst auf einer der Marke ??, der er ganz tiefe Töne entlockte, und dann auf einer Hohner Marine Band (?) mit „normalem“ Klang. Dazu hörte man Piano a la Yancey und den passenden Rhythmus. Damit nicht genug. Es folgte „Things ain´t what they used to be“ von Duke Ellington mit einem slow boogie im background.

Wie schon eine Woche zuvor die „Down Home Percolators“ mit „Don´t get around…“ wieder eine Komposition des großen Duke in kleiner Besetzung, und wieder äußerst gelungen. Sollte mehr gespielt werden, der Ellington…Es folgte eine „Schnulze“ – „Sobbin´ Girl“, von der Gang bereits 1983 aufgenommen, eine langsame Nummer, gaaaaanz laaaaangsam gespielt, fast Swamp Pop mit Einschlägen von „After Hours“.

Nahezu atemberaubend schön! Den Abschluss vor der Pause bildete der „Stop Time Boogie“, an sich eine Abwandlung von „Pinetop´s Boogie“, hört sich aber an als säße Meade Lux Lewis am Klavier, wieder ein Shuffle, in der Mitte ein Schlagzeugsolo (bejubelt!), dann Freddie Slack – ähnliches Piano hinter second line drums, und ein Finale im Ensemble. Tosender Applaus, absolut verdient!

20 Minuten Labung für die Musiker, und es geht weiter mit Fats Waller (stridepiano) und Jelly Roll Morton („Sweet Substitute“), ehe Claus Nemeth einen Klezmertitel ankündigt und erklärt, woher diese Musikart stammt, dass sie ursprünglich fiedeldominiert war, bis sich Toningenieure bei Plattenaufnahme über die zu geringe Lautstärke beschwerten und die Klarinette in den Vordergrund trat. „Bei mir bist du schön“ dachte ich, und genau das wurde es. Selten habe ich dieses Instrument so virtuos gespielt gehört, atemberaubend wie die Löcher und Klappen gehandhabt wurden. In der Mitte wieder ein Drumsolo und anschließend ein Dialog zwischen Klarinette und Schlagzeug – aus dem alten Schlachtross wurde ein Lipizzaner.

Es folgte ein Ausschnitt aus einer Oper (!) von Scott Joplin und danach Herbie Hancock´s „Watermelon Man“, wieder mit lateinamerikanischem Rhythmus. Dann war wieder Bluestime - Leroy Carr´s „How Long Blues“ mit Yanceyeinschlägen am Klavier, zuerst auf der Klarinette und nach einem Pianochorus auf der Harp, die Nemeth zuerst in einem Trinkglas „verstärkte“, ehe man ihn wieder über die Lautsprecher hörte. Vielleicht etwas zu schnell gespielt, aber ok. Mit Basie´s „Swingin´ the Blues“ folgte wieder ein Big-Band Titel, auch gut gelungen und außergewöhnlich. Mit „Groovy“ von Peter Hofmann kam der letzte Bluestitel, ein netter slow boogie. Mit Armstrongs Schnulze „…Wonderful World“ und als Schlusstitel „Rock around the Clock“ (na ja) ging das Konzert zu Ende. Stürmischer Beifall verlangte Zugaben, es kam ein Titel von Hoagy Carmichael und als letzte Nummer der „Pod´s Boogie“, der den Herren natürlich sehr geläufig war. Erinnerungen an Lothar Reichhold wurden wach.

Es war ein schöner Abend. Zwar fehlte der Gesang, aber die Auswahl der Titel war so abwechsungsreich und harmonisch abgestimmt, dass darauf verzichtet werden konnte. Außerdem hat man das ja vorher gewusst. Alle haben ihre Freude gehabt, alle gingen zufrieden nach Hause.

Mit diesem Programm empfehle ich die „Boogie Woogie Gang“ auch Bluesfreunden gerne weiter.


(Bläsi)



31.10.2009 20:40 Hannelore

Kommentare

Karl Schuh + Christa Wiater

Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen, positiven Kritik,
(besser geht`s ja nicht mehr)
von einem offensichtlichen Fachmann und Kenner des Blues!!

Anregung:
Presseaussendungen an die führenden Tageszeitungen mit dem obigen Artikel und den nächsten Konzert - Terminen

14.11.2009 12:58
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