Konzert Berichte
Siggi Fassl / Louisiana Blues Pub / 24. 7. 2010
Am 24.7.10 war Siggi Fassl wieder einmal im Louisiana Blues Pub zu Gast. Hermann mischte sich unter die Zuhörer und gibt uns seine Eindrücke des Abends wieder.
Siggi Fassl. Solo: Louisiana Blues Pub, 24. 7. 2010
Wollte man die Frage stellen, wer von den Blues-Interessierten (“Fans" mögen da das Attribut “Sonderkategorie" in Anspruch nehmen) das Louisiana Blues Pub beschreiben könnte, müßte man wohl mit überraschenden Antworten rechnen.
Obwohl: bleibt man einmal etwa einen Monat lang weg und kommt man zu einem Abend wie dem mit Siggi, staunt man doch ein wenig, denn von den “Blues-Internen", die sich immer wieder begegnen, fallen unter den mehr als 35 Gästen des Louisi kaum eine Handvoll Alteingesessener auf. Die Interessierten sind ja doch viel mehr. Trägt da eine neue Informationsweise (Email mit Termin & Bild des Künstlers) bei?
Wer immer da wohl die verrauchteste Location aufsucht, weiß (oder erfährt es eben da), daß der Musiker auf einer Ebene mit dem Zuhörer sitzt in mehr als Griffnähe (zu später Stunde mag umständebedingt auch so etwas vorkommen, doch Musiker sind da ganz resistent). Was das an Erlebnis für den Hörer ausmacht, das muß ich jeder selbst erarbeiten und dann auch eingestehen.
Bald weiß man, daß die Getränke und sehr spezifizierte Speisenbedienung bei Claudio in unglaublich wachsamen Augen, Ohren und Händen geborgen ist. Durst wird hier niemand leiden, das verhindert die prompte Bedienung.

Es gehört zur hier versuchten Homage an das Louisi und Britta, die “Mutter aller Blueslokale", daß, exemplarisch herausgegriffen, nur an Soloauftritten im Juli 2010 die Namen von Al Cook, Tom Hornek, Gottfried Baumgartner (seine Solopremiere!), Siggi Fassl, Katie Kern im Programm stehen. Vertraute, unverzichtbare, ehrwürdige “Stars" der Bluesszene mit herrlicher Strahlkraft. Aber, man vergleiche: Es scheint kein anderes Lokal zu finden zu sein, in dem so vele Künstler (Könner wie Anfänger) in einem Monat ihre Gigs abliefern können. Was da an Nachwuchsförderung passiert! Man kann die Namen der arrivierten sogar unter dem Aspekt: Wiederkehr zum Geburtsort, sehen. Es braucht nicht als animalisches Ritual gesehen zu werden, auch wenn es das vielleicht ist.
Das zur Tradition geworden “Jahresfest des Louisi" trägt (30.-31. 7. 2010) bereits den “13" nicht auf dem Rücken, sondern als Bekenntnis zu dem, was dieses Lokal auszeichnet. Es gehört zu ihm, daß selbst zu spätester Stunde andere Musiker auf ein Bier vorbeikommen: Ist´s ein Ehrbesuch in der “Wohlfühlstube"? Mögen noch viele Jahresfestl folgen!
Ein Abend mit einem Perfektionisten und Magier des Blues wie Siggi, macht von der ersten Nummer klar, welche Motivation durch diese besondere Lokalität Energien und wohl nur hier erlebbare Interpretationseinfälle freisetzt. Es ist ein stetes Erleben, im Louisi, daß hier Musik anders, intensiver, spontaner, näher, berührender “rüberkommt" (arme deutsche Sprache: sogar deine Vorsilben werden akephalisiert [geköpft]: damit das Verstandenwerden nicht reduziert wird). Als Hörer muß man sich auf diese Eindrücke willig einlassen, man geht bereicherter als sonst wo nach Hause. Was mir da noch zusagt: Nicht ein festgesetzer Betrag, die freie Spende motiviert zu “leistungsgerechter" Entlohnung. Kaum hört man da Münzen in den Krug fallen, und das Papier raschelt nicht. Man kann sich so fast als “mündiger" Konsument vorkommen, nicht als regulierter.
Fast auf die Auftritte im Louisi beschränkt sind die Gesangserlebnisse bei Siggi: die lokale Beengtheit verlangt nicht viel an Zuhören, um die fast einzigartige Ausdrucksbreite in seiner Stimme zu entdecken: flüsternd den weich angeschlagenen Ton voll ausklingen lassen; kehlig, tief, rauh, fast ein Gröhlen dabei karikierend, belehrend, klar die Aussage hervorhebend; dann die Präsentationstechnik: ob nahe am Mikrophon oder in variierender Distanz zu ihm: da entstehen ganz unterschiedliche Effekte der Mitteilung. und das setzt Siggi mit einer Selbstverständlichkeit, nur aus der Spontanität geschaffen, ein. - Ich bin auf der Suche nach vergleichbaren Gesangserlebnissen. Ja, eine weiß ich da, aber das ist eine Frau, wohl die feinste in der Bluesszene, die ihre Modulierung mit den dazu abgestimmten Handbewegungen dem aufmerksamen Zuhörer vorzeichnet. Frage an den Leser: Wer ist´s? Gelegentlich eben auch im Louisi zu erleben.
Weil es in mehreren Ebenen den Abend mit dem großen Blueser (übrigens: nicht selten sagen Leute, die Blues mit ihren Eigenverständnis qualifizieren, als “fad und langweilig" benoten.
Die sollten nur einmal - das wäre schon der Reparaturfall für das Fehlurteil - die Boogie-Parts der Blueser hören) kurz und treffend beschreibt: eine “after-Party" Bemerkung von Siggi (authentisch mitnotiert): “Das habe ich auch noch nie erlebt, daß Publikum während des Gigs Karten spielen (Jolly)". So elastisch ist die Atmosphäre im Louisi, so duldsam die Musik.
Geht hin und betreibt Mundpropaganda (Eugens Rezept)!
Hermann
Übrigens: am 21.8.10 ab 21 Uhr ist Siggi Fassl wieder zu Gast im Louisi (siehe Bild)!
Jahresfestl Louisi - Flyer









Kommentare
Sissi
Super Bericht - wie immer - Hermann...danke! Schade dass wir´s versäumt haben, leider hat man ja nur einen...... weißt eh!
Und wirklich - Karten spielen sah ich auch noch nie jemanden während eines Gigs....