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Konzert Berichte

2 Subs / Cenario / 19.10.11

Was täte ich ohne meine treuen schreibenden musikalischen Wegbegleiter? Wie schön, daß sie Blues.at immer wieder mit ihren Eindrücken beleben... Diesmal ein Bericht von Hermann über das Konzert der "2 Subs" im Cenario am 19.10.11...


Wenn man erfährt, dass eine liebgewonnene Band bzw. Formation den Entschluß gefasst hat, noch einmal einen Abend zu gestalten und sich damit auf unbestimmte Zeit oder gar für immer zu verabschieden, kann das schon ein starkes Motiv sein, Zeuge dieser Verabschiedung zu sein. Und so hieß es denn auch, dass Gottfried Baumgartner (Gitarre, Gesang) und Lukas Kirschner (Akkordeon, Gesang) ihren ersten Abend im Cenario im Rahmen der musikalisch stets erstklassisch besetzten Blues Night gleichzeitig zur Abschiedsvorstellung machten. Brachte zwar die Zahl des Publikums das Lokal nicht zum platzen, so zeichnete eine außergewöhnliche Stimmung, nicht unwesentlich mitbestimmt durch die Präsenz besonderer Gäste (Kevin McManus, Moritz Haugk), den gesamten, in drei Sets gegliederten Event aus. Wie wohltuend, mitten im aufmerksamen Publikum sitzen zu dürfen.

Schon allein die konträr-komplementäre Wesensarten der beiden Künstler waren der Garant für besondere Impressionen, denen man einfach nicht entkommen konnte und das auch gar nicht wollte: Gottfried temperamentvoll quirlig, emotional sofort an das Publikum gebunden, durch seine eloquente Mitteilsamkeit immer ein Quell der Unterhaltung, ausgestattet mit einer angenehmen, beherrschten Stimme, dem Fingerpicking die gesamte Präzision (da ist er durch seine Vorarlberger Heimat gewiß bevorteilt) zugewendet. Lukas, ruhig, fest mit seinem Instrument verwachsen, in der Begleitung der Gitarre sehr zurückhaltend und diese subtil, wie kaum je sonst zu erleben, unterstützend. Aber wenn sein Part da ist, zaubern er und sein Akkordeon eine Stimmung in den Raum, die am kürzesten so zu beschreiben ist: mit dem Ende seines Soloparts setzt das Leid des Zuhörers unmittelbar und ausweglos ein und macht bewusst, dass die Musik wie kaum etwas anderes verdeutlicht, was Vergänglichkeit ist und bedeutet. Eine derartige bewegende und betörende Welt der Musik zu schaffen, wie sie mit Lukas´ Persönlichkeit einhergeht, das bezeugten den langen Abend über die vielen extemporierten Applausmomente.
Als Resumee über diese deskriptiven Zeilen bleibt nur das Eingeständnis des Unvermögens, auch nur im Kleinstbereich adäquat das auszudrücken, was noch Tage nach dem Erlebnis in der Erinnerung verblieben ist.

Dazu möge eine kleine Zahl besonderer Songs das Ihre beitragen. Diesen fünf Titeln gehört die authentisch von den 2 Subs bestätigte Vorliebe:
Crossroads (in der Version von Calvin Russel): Wenn Musiker die Augen schließen und sich besonders in dem Part “so many roads I never travelled" in ein Melodienfurioso verlieren, so gewinnt das die immer gültige Situation im Leben jedes einzelnen, in der er eine Chancenfülle divergenter Wege sieht und erst hinterher sich der Qualität jenes Momentes bewusst wird, wenn er erkennen muß: Vorbei.

East Virginia Blues von Gottfried (in Mol, inspiriert von Long John Baldry) präsentiert, wurde nicht nur zu einem Blues, der die Tiefe der Musikseele, so man sie an diesem Abend bei sich hatte, in Unruhe versetzte und im Ausklingen dann zur Gänze kalmiert zurückließ.

Wayfairing Stranger, wie das vorige ein ehrwürdiges Traditional, wurde mit einer reichen Fülle an Emotionen in den Raum entlassen. Gottfried fügte hinzu, dass ihn dabei eine Aufnahme von Johnny Cash im besonderen beeindruckt und beeinflusst hatte. Wir, die Hörer, haben die Präsentation durch die 2 Subs genossen, und wie!

Stark und besonders ins Ohr gehend war Summertime. Hierzu noch ein Wort zu verlieren, käme einer Läsion der Erinnerung nahe.

Truth (Amos Lee) war so das richtige für Lukas und Gottfried in ihrem steten Engagement, für jeden Song die spezifische Groove zu finden, zu treffen und zu leben. Da sind ja beide mit außerordentlicher Begabung ausgestattet.

Wenn nun beide den Abend mit dem Abschied (für unbestimmte Zeit?) beendeten, so ist dazu nur zu sagen: Wenn man so spielt, so Musik macht, dann kann das doch nicht dem Publikum zugemutet werden, die 2 Subs nicht mehr hören, nein, erleben ist da richtiger, zu dürfen. Männer, spielt weiter. Und gesteht Euch doch ein, dass Ihr ohne solche Abende nicht Ihr seid!

Danke für diesen Abend. Es war eine Festtafel, ein Cenario pur.


Hermann



25.10.2011 11:10 Hannelore

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