Konzert Berichte
Substitutes 2011 / Cenario / 30. 11. 2011
Substitutes 2011
Cenario, 30. 11. 2011
Es dürfte nicht gar so viele Musikabende geben, deren Vor- (und, so sei pro futuro gesprochen), auch Nachgeschichte so bemerkenswert und dadurch auch schriftlich festgehalten zu werden verlangt.
Noch vor wenigen Tagen war gleichsam hinter versteckter Hand zu hören, die Substitutes würden ihren Abschied vorbereiten. Hält man sich da an Vergil´s Aeneis an, wo da die unvergängliche Lebensweisheit sagt: “ein Gerücht wächst durch seine Verbreitung" (im Originaltext: Fama crescit eundo, und mit einer gewissen Zeitanpassung in späterzeitlicher Modifikation: “volando" = “im Flug"), ist die Mahnung zum Glauben an das Gesagte unüberhörbar. Aber immerhin, wird gesagt, daß Š Die nächste Info vollzog eine Wende: “Bei unserem letzten Konzert in diesem Jahr Š" Und es klang überhaupt nicht irgend wie nach “letztem". Der Abend fand sein Ende in erfreulich positiven zukunftsorientierten Gesprächen. Also die Umkehr des Anfangs.
Aber dazwischen: Gottfried Baumgartner (guit., harp, voc.) leitete den Abend ein mit einem launigen Rückblick, daß die Substitutes am Piano mit Wolfgang Pöll (nach Francis Scheidl) gestartet waren, und nun substituiert der längst zum gesuchten Boogiepianisten aufgestiegene und gesuchte Wolfgang Pöll die Substitutes: aber lassen wir Gottfried selbst zu Wort kommen: “Wolfgang Pölls große Klasse zeigte sich nicht nur in Solo-Boogie Nummern, sondern auch darin, wie er sich trotz nur zwei Proben wunderbar in die Band eingefügt hat. Eine besondere Bereicherung für uns!" Ebenfalls als Substitut ist Thomas Straka (bass) in der Band nun dabei. Auch hier also eine kleine historische Kreisgeschichte. Back to the rootes als Motto.
Den harten Kern der Band tragen Gottfried Baumgartner und Jerry Scheidl (drums) in all der für sie so markanten Verläßlichkeit und bewundernswerter Kompetenz. Eine kleine Bemerkung - sie gehört an das Ende des kleinen Berichtes - ist hier am Platz: Über die zwei letzten Jahre hinweg ist eine sehr markante, auffällige, Weiterentwicklung unverkennbar geworden. So sind besonders die Spielweisen der Gitarre und des Cajon (mit Snare und kleinem Blech) allerfeinst aufeinander abgestimmt.
Thomas Straka am fünfseitigen E-Bass ist bei den Substitutes innerhalb kürzester Zeit zu einem unverzichtbaren Mitstreiter geworden. Nach Aussage seiner Bandmitglieder ist mit seinem Spiel Ruhe, Zielorientiertheit und Harmonie eingekehrt. Stets präsent, den Rhythmus in unbeirrbarer Bahn haltend, nie aufdringlich, nie zu laut, konsequent dem Ziel der Bandeinheit dienend: Ein großer Gewinn für die Substitutes, für die Bluesszene insgesamt.
Es wäre nicht zu vertreten, den Wandel im gespielten Programm nicht zu erwähnen, dies auf die letzten drei Jahre betrachtet. Jeder der vorgetragenen Nummern hat in der Band die besten Interpreten, und selbst Summertime ist in Gottfrieds Kehle wahrlich nicht ohne Gold!
Wie sehr jedoch, und dieser Aspekt ist nicht auf etliche andere Bluesbands übertragbar, Gottfried und den Seinen am Zuhörer liegt und das auch songmäßig unmißverständlich augedrückt wird, bezeugt Albert Kings I'll play the blues for you , bei dem die Refrainzeile, für mich nicht anders verstehbar, zum Bekenntnis der Band den Zuhörern gegenüber fungiert. Klar, daß dabei for you mit Raffinesse einen Stimmüberzug bekommt, der ihm Ohr lange Zeit nachwirkt.
Zwei Solonummer von Gottfried zwingen zum Innehalten: Crossroad (in der Version von Calvin Russel) ist seit den Vienna Blues Affairs nicht mehr wegzudenken, beschreibt es doch jene Szene, die auf jeden Menschen zukommt, als Realität und noch diffiziler als Bild: Kreuzung mit wegführenden Wegen, ins Unbekannte. Dies zur Wertigkeit bluesiger Texte. Andi Bauer präsentiert dies als überaus dramatische Situation im Leben, und das mit seiner, auch das Dunkel-Düstere ausmalenden Stimme. Wer da nicht nachdenklich wird! Anders Gottfried mit seiner hellen, leicht zur Sanftheit neigenden Stimme. Er beschreibt Crossroad mit positivem, heiterem Mut, anstachelnd zur Unternehmer-, Abenteuerlust. Hört man gewissermaßen beide, Andi und Gottfried, gleichzeitig singen. ist man hin- und hergerissen zwischen ernster Besinnlichkeit und heiter froher Leichtigkeit.
Der Abend klingt aus mit Buddy Guy´s A Man and the Blues, unter dem Substitutes-internen Titel “Gasoline" Es steht dafür, hier die zweite Strophe vorzulegen, die der Kernpunkt der Aussage des Songs ist:
“(You know) sometimes I feel, I feel like drinkin´ me some gasoline,
(You know) sometimes I feel , I feel like drinkin´ me some gasoline,
Strikin´me a match and blow my fool-self up in steam".
Welche Nachdenklichkeit, eingepackt in radikalem, plakativem und selbstzerstörerischem Denken in ganz und gar nicht hart-spröden Tönen gleichsam vorüberzieht, das zu empfinden, ist die Anforderung an den Hörer. Ihn mag es durchaus dazu verlocken, in “Gasoline" ein leicht mißverstehbares Reizwort aus dem Alltag ganz für sich allein mitzunehmen.
Hermann









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