Konzert Berichte
Meena Cryle´s Jahresschluß / Cenario / 21.12.11
Meena Cryle´s Jahresschluß
21. 12. 2011, Cenario
Es war ein sogenannter unbluesiger Mittwoch (man sagt ausreichend oft, daß man diesem Wochentag keine Konzerte besucht; "erlaubt" sind Sessions, sagt man), markiert von einem heftigen Gegentrend: Das CENARIO war gesteckt voll. Das hatte vordergründig mit Meena zu tun, die ja auf´s Jahr gesehen, in Wien nur selten (richtig ist der Elativ: "allzu selten") zu hören ist.
Das hat auch - dies vermutungsweise formuliert - mit jenen Musikfreunden zu tun, die a) ein tiefergreifendes Musikinteresse auszeichnet (war auch im hörbaren Stecknadelfall während des Konzertes unüberhörbar - etwas vom Hyperbolismus-); b) die sich nicht vom Wochentag, sondern der Reverenz vor geachteten Musikern leiten lassen; c) was von engagierter Informationsaktivität der Akteure selbst begleitet ist; d) ein Lamento von keiner Seite. Alle vier Punkte könnten doch den Aktiven als pro memoria dienen.
Zum Konzert selbst gibt es wenig zu sagen, was nicht schon abermals geschrieben wurde: Es gibt eben nur eine Meena, und es gibt ihre Interpretationen eben nur in ihrer Stimme und sich im Gehör jedes einzelnen festschraubenden Kraft. Verwirrend, im positivsten Sinn, bleibt ihre Wandelbarkeit vom dramatisch aufwühlenden, tief betroffen machenden, fast schon drohenden Ton in jeder Höhe ihrer staunend machenden Skala bis hinüber zum milden und sanften, heftigen erotischen Cantabile.
Dabei enthalten die Übergänge eine spezielle Gesangstechnik, in die man einfach nur eintauchen, stärker gesagt, abtauchen muß. Doch eine ganz eigene Kategorie ist der Vulkan, der in ihr gepunkter ist. Nicht nur, daß ihre Stimme Befehlscharakter bekommt, sie kombiniert sie mit einer in Wirklichkeit singulären Körpersprache, die die Eigenschaft hat, den Zuhörenden mit Bannbändern zu binden. Und es gehört einiger Mut des Zuhörers dazu, sich dieser Interpretation des Textes zu stellen, ausgerichtet auf die Frage, wie weit kann man solchem Interpretament öffnen, es zulassen, es für gültig und richtig annehmen.
Diese Hauptpunkte ihrer Abendgestaltung ist in jeder einzelnen Gesangsnummer zu beobachten, was das Aufzählen einzelner Titel erübrigt. Nicht viel anders als mit der Stimme handhabt Meena ihre Gitarre. Dabei kann man leicht den Eindruck gewinnen, daß sie sich nicht scheut, ihre Stimmbänder dem Klang der Saiten gegenüberzustellen.
Begleitet - das ist das übliche Verbum für den Gitarristen - ist sie von Chris Fillmore. Er trägt eine eigenständige Funktion in der Band, denn seine Soli, dominiert jedoch vom Fortissimo, sind ausnahmslos aus keiner Nummer wegzudenken. Das legt Zeugnis für die Komplexität der Band.
Sie ruhte auf dem Schlagzeuger Franky Cortez (erstmals in dieser Formation, jedenfalls für mich) und ganz stark von (auch E-Bass) Marlene Lacherstorfer am Baß (und E-Baß) und Begleitgesang, der eine Ausdrucksstärke hat, wie sie kaum ein anderer Bassist vorweisen kann. Ein ganz besonderer Applaus für sie! Welcher Genuß war das, und wer rechnet schon damit, daß nicht nur das Baßspiel breite Schultern hat, sondern auch noch die Gesangsstimme Wohlgefühl verbreitet?
Das Resultat: Yah, Meena: We let the sweet love shine on you, denn auch der Mittwoch hat´s in sich.
Hermann









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