Paul Butterfield Band - "Live At Rockpalast" (SPV)

Wie schon andere (siehe Review „Spirit…“) fand auch die Paul Butterfield Band den Weg in den “Rockpalast“, jenes legendären Fernseh- und Radio-Nacht-Programm, das ab 23 Uhr live übertragen wurde, in einer Zeit, als das Fernsehen normalerweise – heute unvorstellbar – um Mitternacht endete.
Und zwar am 15. September 1978, Paul Butterfield hatte seine „Paul Butterfield Blues Band“ (in den späten 60ern in Better Days umbenannt) bereits vor 7 Jahren aufgelöst und experimentierte immer mehr mit Einflüssen anderer Musikrichtungen sowie leider auch mit denen von Alkohol und den Drogen…
Die glorreichen Zeiten seiner sehr gut verkauften Alben wie z.B. East-West (1966) bis hin zu Live (1970), der großen Auftritte am Newport Folk Festival oder in Woodstock waren lang dahin und es war außer einigen wenigen nennenswerten Gigs (mit The Band 1976) nicht mehr soviel los.
Umso mehr wirkte die Einladung in den Rockpalast und damit sein erster Auftritt in Europa wie ein neuer Aufbruch, zumal Butterfield (voc, harp) für dieses Projekt Musiker um sich scharte, die in dieser Besetzung erst 1 Woche vorher zusammen gefunden hatten.
Allen voran Ausnahmetalent Buzzy Feiten (git), der Paul auch schon in Woodstock begleitete und bis heute einer der gefragtesten Studiogitarristen der Topstars ist.
Der zweite Gitarrist in diesem Konzert ist der damals nicht mal 20-jährige Peter Atanasoff, (u. a. später Mitglied bei Tito & Tarantula), der aussieht wie ein Mitglied von Smokey .
Mit Bobby Vega am Bass (später Jefferson Starship) und Ernest Carter (spätere Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen) an den Drums wurde die Formation für diesen Abend komplettiert.
Nicht nur die Besetzung läßt bereits vermuten, es wird hier nicht klassischer Chicago-Blues im weitesten Sinne geboten, sondern die DVD wird eher Liebhaber des puren Rock der späten 70er erfreuen, obwohl z.B. bei der funkigen Nummer One More Heartache der Stil und Gitarrensound der 80er Jahre ganz leicht heraufdämmert.
Natürlich lassen sich aber auch Einflüsse des Blues klar erkennen, wie bei New Walking Blues, die auch erstklassig gespielte Harp-riffs bietet.
Überhaupt bedient Paul Butterfield die Harmonika in jeder Phase des Konzerts als Rock-Harp, d. h. eher schnelle Tonfolgen, gequetscht – verzerrter Sound, brutal und dreckig aus dem Amp schreiend, aber trotzdem nicht zu kalt im Ton – passend zu verzerrten Strats und seiner Stimme. (wenn es einen Harpspieler interessiert: er spielt hier ein Shure 545S Mikro über 2 Fender Twin amps und hält die Harp verkehrt herum)
Mit It’s Alright gibt’s zur Auflockerung eine Ballade und als absoluten Kontrast dazu eine sehr rockige, grandios interpretierte Version von Going Down, die meiner Meinung nach einen der Glanzpunkte darstellt.
Umso deplazierter wirkt der Dorf-Disco-Schmusesong Just when I needed you most (Randy Vanwarmer)
Für mich der absolute Höhepunkt ist die Abschlußnummer Be Good To Yourself, die wirklich dynamisch ist und neben einem Frage-Antwort part zwischen Gitarre und Harp auch entspanntes dahingrooven bietet. Ich glaub die Formation wäre jetzt erst richtig „warm“ geworden…
Die Band als ganzes „fährt“ enorm und erzeugt ordentlich Druck, wobei beide Gitarristen immer wieder in Solos brillieren. Der aufmerksame Zuschauer bemerkt vielleicht das eine oder andere Mal aber doch eine Unsicherheit durch die doch erst sehr kurzfristige Zusammenarbeit.
Die Bildqualität der DVD ist für 1978 hervorragend bearbeitet worden, jedoch – und das ist der bittere Wermutstropfen – ist der Ton eher unterster Level, dünn, fast gänzlich ohne Bass und phasenweise schlecht gemischt.
Als Bonus gibt’s ein ausgedehntes Backstage-Interview.
Dem Rock- und/oder dem Rockpalast Fan bzw. Musikfreunden, die sich für diese Periode interessieren sei die DVD empfohlen, wenn einige Abstriche in Kauf genommen werden.
HP Rockpalast









Kommentare
Martina
Danke Sedi für den Tipp! Stimme deiner "Wertung" voll und ganz zu und bin wirklich auch enttäuscht über den Ton, vor allem die Harp ist stellenweise fast nicht zu hören :-( Trotzdem: Allein für die 'New walking Blues" (Harp ausnahmsweise laut genug :-)) ) und die 'Goin' down' hat sich die Investition gelohnt :-))) )
Liebe Grüße Martina