Hamburg Blues Band & Chris Farlowe / Reigen / 25.4.09
Von Ernst erhielten wir diesmal einen Bericht vom Konzert der Hamburg Blues Band feat. Clem Cempson, als spec. Guest Chris Farlowe im Reigen am 25.04.2009.
HAMBURG BLUES BAND feat. CLEM CLEMPSON, spec. Guest CHRIS FARLOWE REIGEN / 25.04.2009
Eine deutsche Kultband mit englischer Verstärkung beim Vienna Blues Spring: sind das nicht beste Voraussetzungen für einen Konzertabend erster Güte? Ja, absolut!
Und diese Voraussetzungen ließen den Reigen fast aus allen Nähten platzen, gastierten doch mit der "Hamburg Blues Band", gemeinsam mit den Colosseum-Urgesteinen Dave "Clem" Clempson und dem unverwüstlichen Chris Farlowe wahre Dinosaurier des Blues und seiner Zutaten.
Die Hamburg Blues Band (ich zitiere): ihre Besetzung liest sich wie ein "Who is Who" der europäischen Musikszene: neben dem Gründer und Mastermind Gert Lange (git, voc) sind das Clem Clempson (git), dessen hochgeschätzte Gitarrenkünste nicht nur hier, sondern auch schon bei Colosseum, Humble Pie und der Jack Bruce Band erklangen. Als Studiomusiker arbeitete er für unzählige namenhafte Kollegen: B.B. King, Bob Dylan, Roger Daltrey & die Neville Brothers, um nur einige zu nennen.
Hans Wallbaum (dr) trommelte einst bei Chuck Berry, Interzone und Marius Müller-Westernhagen; sowie Michael "Bexi" Becker (Lake, Spooky Tooth) am Bass. Adrian Askew an der Hammond B3 kennt man von Joe Cocker, Atlantis, Lucifers Friend & Lake.
Die Hamburg Blues Band steht (so die Ankündigung) für intensiven, clever arrangierten und live umwerfenden Roots-Blues. Die Truppe vermengte brettharten Gitarren-Bluesrock ebenso spielfreudig wie traditionsbewusst mit Soul, klassischem RhythmnBlues, Boogie und wagte auch schon einmal Ausflüge in Richtung Jazz. Gespickt mit Zitaten, vom "3. Mann" , über den (anscheinend unvermeidlichen) Donauwalzer, bis zu "Summertime", oder "Baker Street" - das war insgesamt Musik vom Feinsten!
Von Dietmar Hoscher eingangs als Legenden vorgestellt, wurden die fünf auch niemals müde, ihren Legendenstatus zu pflegen ("...uns gibt es seit 1982",......."dieses Ding hat Pete Brown für uns getextet, und der hat auch für Cream Sunshine Of Your Life gemacht"....).
Das erste, eine knappe Stunde dauernde, Set wurde dem vorauseilenden Ruf der Band mehr als gerecht. Von Anfang an waren alle mit Spaß und Freude bei der Sache. Ab und zu ein Lächeln, und hier und da auch ein Scherz auf den Lippen - es war eine ansteckende, positive Stimmung zu spüren.
Natürlich war der Bass-Sound von Michael Becker warm und rund, wie er sein soll. Nicht aufgeregt, aber immer rund und groovy.
Auch Hans Wallbaum an den Drums wusste zu überzeugen! Hinsehen durfte man aufgrund seiner optisch seltsamen Spielweise zwar nicht, aber das tat er ja auch nicht und spielte mit meist geschlossenen Augen immer genau das, was die jeweilige Nummer gerade braucht.
Adrian Askew, den man vom Aussehen her eher in einer englischen Comedy-Show vermuten wrde, brillierte nicht nur mit saftigem Hammond-Sound und Synty-Solis, sondern auch mit schepperndem Honky-Tonk Piano, dazu ein blendend aufgelegter Gert Lange, dessen Bluesstimme zu Unrecht auf eine Stufe mit dem unsäglichen Joe Cocker gestellt wird.
Sehr angetan war ich auch von Clem Clempson, der sich nicht nur mit seinen Gitarrenriffs in die Herzen des Publikums spielte, sondern bei It Aint Right mit klarer Stimme und einem an Duane Allman erinnernden Slidespiel ein Highlight setzte.
Nach einer Pause ging es dann ins zweite Set und dann kam er: etwas unbeholfen und tapsig in seinen Bewegungen, ein Hemd jenseits des guten Geschmacks (aber wenigstens kein Hawaii!), das sich über einen mächtigen Brustkorb spannte, abenteuerlich die Frisur, der Teint nahe der Leichenblässe, eine grenzwertige Hornbrille - aber die Stimme eines Gottes: Chris "The Voice" Farlowe!
Der fast 70jährige hat auch nach 50 Jahren im Geschäft noch immer nicht genug vom Tourleben, sucht nach wie vor den Kontakt zu seinen Fans, und betreibt nach wie vor mit diebischer Freude seine Späßchen auf der Bühne. Als RnB-Entertainer alter Schule versteht er es wie kein anderer, Blues- Delta-, Opern- und New Orleans-Scatgesang zu einer einzigartigen Kombination zusammen zu fügen. Seine charismatische Blues-Stimme singt den Blues selbst dann erstklassig, wenn ein I never want to sing the Blues again über seine Lippen kommt.
Von Anfang an war da Party angesagt - Farlowe hatte alle und Alles im Griff, und gab sicht- und hörbar fast sein Letztes. Es regierten Spaß, gute Laune (ich würde gerne wissen, ob die Bestellung "5 Pils and a Jack Daniels" samt begonnenem "Streik" der Musiker jeden Abend vorkommt!), und kollektives Mitsingen (wie beim "Small Faces"-Klassiker "All Or Nothing").
Nach 2 Sets, einer Spielzeit von über 2 Stunden, und 2 Zugaben, darunter natürlich auch der vom Publikum stürmisch geforderte Nr.1-Hit Out of Time, den Mick Jagger und Keith Richards, so wie Farlowe schon einmal behauptet hat, nur für ihn geschrieben hätten - war dann Feierabend.
Die Band fand es cool, und Farlowe war sich nicht zu gut, nach dem Konzert mit seinen Fans zu schäkern und CD'S zu signieren.
Es war ein schöner, stimmungsvoller Abend mit Musik, die Spezialisten als "St. Pauli Blues" bezeichnen: der einzigartige Sound der Hamburg Blues Band machte definitiv Spaß!
Ihre Musiker zählen ohne Zweifel ohnedies zum Besten, was die europäische Blues-Szene zu bieten hat.









Kommentare
Keine Kommentare gespeichert