Charlie Musselwhite Band / Reigen / 29.3.10
Clever hat Glück! Martin Sedlinger, selbst u.a. bei der Paul Zagler Band an der Harp aktiv, ist seinem Aufruf gefolgt (oder war das Zufall?) und hat uns seine Eindrücke zum Gig von Charlie Musselwhite geschildert. Fein, denn Fachmeinungen sind besonders willkommen ;-)
Nachdem ich mir den eigentlich fix eingeplanten R.J. Mischo aufgrund widriger Umstände entgehen lassen mußte, passte diesmal zum Konzert von Charlie Musselwhite alles, und ich war rechtzeitig im Reigen um mir noch ein Bierchen mit heimischen Musikern im Cafe zu gönnen.
Um halb neun gings dann los mit schwungvollen "Honkern" wie "Just your Fool" - wie passend - von Little Walter.
Der erste Set war überhaupt eher dem klassischen Chicago-Stil gewidmet wozu Charlie herrliche Harmonika-Läufe und Soli lieferte, verpackt in einen erwartungsgemäß "amtlichen" Bluesharp-Ton, der dem Puplikum stabiles Grinsen ins Gesicht drückte.
Das Übrige besorgen sein solider Gesang und seine enorme Bühnenausstrahlung - einerseits durch den Umgang mit dem Puplikum, andererseits hab ich noch selten einen Harmonikaspieler seine Instrumente derart lässig in den neben ihm stehenden Koffer werfen sehen, um sie vier Nummern später wieder mit einem Griff zu finden...
Leider waren besonders bei den ersten Nummern viele Feinheiten seines - undiskutierbar hohen - Niveaus nicht wirklich zu hören, da der Sound der Harmonika über weite Strecken eigentlich zu dumpf und etwas zu verhalten war.
Dieser Eindruck wurde durch die wunderschön präsente - aber deswegen keinesfalls zu laute - Leadgitarre noch verstärkt.
Überhaupt muß ich sagen, daß für mich Matt Stubbs an der Gitarre das ganze Konzert über ein Feuerwerk abfeuerte, das drohte Charlie Musselwhite ein bisschen die Show zu stehlen.
Der "Maschinenraum" - Mike Phillips am Bass, June Core am Schlagzeug - lieferte dazu äußerst homogenen und ausgewogenen Druck und bot eigentlich mehr als nur einen schönen Teppich für den Frontman.
Der zweite Set war dann stilrichtungsmäßig etwas abwechslungsreicher und hier hätte ich mir vor allem bei den funkigen bzw. vor allem bei der Rockabily-Nummer "Strange Land" gewünscht, daß Charlie etwas mehr Punch auf der Bluesharp gehabt hätte. Meiner bescheidenen Meinung nach ist hier der schöne, brave Vintage-Ton nicht immer ausreichend, sondern die Harp kann ruhig einmal "bedrohlich", und "böse" gespielt werden.
Die jazzigen (teilw. Moll-)Nummern waren jedoch an Spielideen und Harp-Sound kaum mehr überbietbar.
Zur Vollständigkeit sei erwähnt, daß er über einen Marble Harpmaster spielte, der Gitarrist über einen Fender Blues DeVille.
Alles in allem sollte man diesen außergewöhnlichen Musiker (er wird übrigens demnächst in die Blues Hall of Fame aufgenommen) auf jeden Fall einmal in Club-Atmosphäre erlebt haben, und ich bin somit sehr froh, daß ich dazu jetzt die Gelegenheit hatte.
LG
Sedi









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