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Mellow Down Easy & Greyhound Gang / Davis / 4.5.10

In unserem Forum hat Hermann einen Bericht über Mellow Down Easy & Greyhound Gang im Davis am 4.5.10 gepostet. Den haben wir gleich einmal unter unsere Konzertberichte gestellt.

Mellow Down Easy & Greyhound Gang
Davis, 4. 5. 2010



Mit einer rund dreiwöchigen Verspätung über ein musikalisches Ereignis berichten zu wollen, bedingt fraglos weniger eine Rechtfertigung als viel mehr, um auf jeden Fall alles für eine überzeugende Objektivität gerüstet zu sein, ein Reservoir von Fakten, die öffentlich zu machen dem Nachkommen einer Verpflichtung gleichkommt.

Als besonderer Moment wird in der vielfältig bunten Welt der Geschichte des Davis und erst recht der BlueSimon-Familie jener Tag aufgeschrieben sein, an dem die Idee zu diesem Abend entstand.
Wann kommt es schon vor — außerhalb von speziellen Veranstaltungen wie Gaisruck, Ratzersdorfer See, Finanzamt-Parade u. v. a. m. —, daß einen „gewöhnlichen“ Abend zwei Bands gestalten, die für sich allein zu erleben die Qualität „extrem“ im Ohr der Bluesfans festgeschrieben haben.

War man also bereits auf viele musikalische Bonbons eingestellt, sollte das ganz große Staunen erst kommen. Gewarnt war man aber schon dadurch, daß die sonst gängige Information „Special Guest“ für einen vorerst noch top secret gehaltenen Namen stehend durch zwei Bandnamen auf dem Programmblatt stand.

Den Beginn machte Lilli KERN und ihre „Mellow Down Easy“. Dabei war es, wie immer bei Lilli Kern, einerlei, welchen Song sie darbot: es ist alles von einsamer Qualität, ihre Stimmführung, untermalt mit den charakteristischen Handführungen (immer die Linke!), mit der in wahrhaft anschaulicher Weise die Modulation transportiert wird — man beachte: hier wird Musik auch anschaubar gemacht: Welches Vergnügen, zu hören und zu sehen! —. Und auch wenn diese Stimme im acapella-Solo einen Abend füllen könnte, ordnet sie sich ihrer Band zu.

Da ist am Piano Tom HORNEK: gerät er einem für einige knappe Zeit aus dem Blickwinkel, muß man damit rechnen, daß er als ganz neuer Tom Hornek mit etwas ernsterem Ausdruck in Mine und Taste eine wundersame Fortentwicklung präsentiert. Aber, man darf sich nicht verführen lassen, denn der Schalk in Mine und Taste, seine unverkennbaren Signalements, sind nicht verschwunden, sie sind weiter entwickelt: „verfeinert“ und einen höheren Anspruch stellend.

Michael AMON gehört die Welt der Drums. Und auch an ihm ist die Veränderung unverkennbar geworden: etwas sanfter, differenzierter und in schwer beschreibbarer Weise spezifisch bandorientiert. Unverzichtbar und Glück für jene Formationen, in denen er dabei ist. Der Applaus der dankbaren Hörerschaft ist nur ein Quentchen an der verdienten Verneigung vor ihm!

Wolfram WINTER am E-Baß bleibt wegen seiner Spieldisziplin, die ihren großen Anteil am gesamten Sound hat, der in soliden Basistönen seine Ruhe findet. Stets präsent, aufmerksam zu den anderen, ein unaufdringlich integriertes Mitlgied der Mellow Down Easy.

Und schon bald kündigt Lilli Kern einen ihrer, von ihrer Interpretation geprägtes „I love you baby“, unterstützt von Erich LAHNER, dem in seiner Komplexität perfekten Gitarristen der Greyhound´s an. Doch da füllt nun Lilli Kern nicht nur das Davis mit ihrer Extrastimme, sondern auch die Bühne mit dem „Gospelchor Brunn am Gebirge“.

Ab diesem Zeitpunkt wirkt der Abend wie ein Konzert und das Davis selbst wird zum Konzertsaal, in dem man sich wegen solch erhabener Musik gegenüber am liebsten in Abendkleid und Anzug mit Krawatte, und nicht im Bluesoutfit dabei sein möchte. Es muß hier hervorgehoben werden, daß die Qualität der Lokale in der Stadt für diese Musik ja nicht die überwältigendste ist. Das Davis konnte man an diesem Abend als in den Bann ziehenden Musiktempel erleben. Was waren das doch für Lieder: „I love you baby“, „Chokin Kind“, „Put a little love in your heart“. Da zwang der Gospelcharakter ganz zum Hineinhören!

Andi BAUERsGreyhound Gang“ für sich allein steht in der Qualität in einer Reihe mit der „Vienna Blues Affair“, „Bauer mit Durst XXL“. Die Namen sind die unverkennbaren Bürgen für die Qualität: Andi BAUER, Werner JELINEK, Erich LAHNER, Thomas STRAKA und, der Schwerarbeiter des Abends, Michael AMON. Wer Präsentationen wie „The Same Thing“, „Neighbour“, „Big City“ oder „… set me free“ nicht kennt, hat etwas, worauf er sich freuen kann. So etwas sagen zu dürfen, beschreibt die Ausstrahlung von Musikern mehr als noch so viele, immer ungelenk und nicht adaptierbar bleibende Zeilen.

Der Wunsch des Abends: Mellow Down Easy, Gospelchor Brunn am Gebirge und Greyhound Gang sollten die Verpflichtung eingegangen sein, schon demnächst wieder einen Raum in einen Konzertsaal zu verwandeln.

Veranstalter, merkt es wohl! Die Fans sind für Innovationen wie diese dankbar. Sie sind kostbar, weil gar so rar.

Hermann


zum Forumsbeitrag




31.05.2010 10:28 Hannelore

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