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Martin Pyrker & The Chamber Blues Academy / Jazzland / 15.2.12


Martin Pyrker & The Chamber Blues Academy

Jazzland, 15. 2. 2012

Widmet man sich der selbstgewählten Aufgabe, ein Programm, das ganz dem Ego dienen soll, aus den Vorschauen zahlreicher Lokalitäten und Veranstaltungen als Ergebnis herauszufinden, geht es nicht ohne den manchmal nahezu zermürbenden Reflex: “Schon gehört, schon öfter gehört. Doch nochmals." Die Suche nach neuen Formationen, nach noch nicht gehörten Musikern ist zum Teil eine Schule der Frustbewältigung. Das geht natürlich nicht ohne die fordernde Frage nach dem “Warum so?". Klar, und trotzdem sei´s gesagt, da wäre ein recht großes Hearing “aller" Akteure die Basis. Und ebenso klar: “Nicht möglich". Also suchen und dabei nicht locker lassen. Mag sie auch den unleugbaren Autohype bringen in dem Ergebnis: “Sieh, das Gute liegt so nah!". Und schon war´s passiert: Im Jazzland ist eine “unbekannte" Formation angekündigt mit wohlvertrautem, hochverehrten Namen.

In die Fundfreude mischt sich die Betrübtheit, daß in dem einst so gesuchten Medium, dem Blues.at, kaum mehr an prominenter Stelle - vom etwas überbordenden Flyer Corner abgesehen - von dort kommt der zitierte zermürbende Reflex; er läßt sich auch so benennen: Was des einen zu viel ist des andern zu wenig - Ankündigungen zu lesen sind. Es behaupte kaum wer, daß eben diese Suche außerhalb ab- und ausgetretener Furchen leicht eine Fündigkeit möglich ist. Wär doch was, würde die Tastatur doch wieder für Ankündigungen hergenommen werden!!

Hat man das Glück eines Fundes wie des Jazzland, rücken Querelen wie die eben hier abgeladenen in die Kiste der Minus-Vorräte.

Martin Pyrker und seine Sabine haben längst den Status der Leuchttürme zu ihrem Wohnheim gemacht. Was aber diesen Abend in meinem halt nur subjektiven Wahrnehmungsrepertoire sich festgeschrieben hat, ist Martins ins tiefste und subtilste verankerte Spielvirtuosität des Blues, die die Sensibilität für die Aufnahmebereitschaft auf Trab hält. Da hat man keine Chance, sich der Tiefenwirkung zu erwehren. Und wenn auch nur ein Ton mit dieser Qualität das Klavier verläßt, da kann man dann verstehen, was mir Hermann Posch einmal sagte: “Sobald ich einen Ton aus der Gitarre oder meiner Stimme freisetze, gehört er nicht mehr mir." Diese “freien Musikradikale" ist der Schatz des Zuhörens. Mit diesem Bewußtsein dem Zweigenerationen-Duo zuhören zu dürfen, was ist das für eine Wucht an Momenten, die jene physikalische Tatsache verwischen. Sie sagt doch - unwiderlegbar -: “Was verklungen ist, ist weg, aus, vorbei." Nein, es kann für sehr lange Zeit in der Erinnerung nachklingen. Und diesem Nachklingen höre ich eben so gerne zu. Und dazu tun Vater und Tochter jenes Quantum in jener Qualität, die den Hörenden mit jener Sehnsucht ausstattet, sie in vielen Wiederholungen zu erleben.

Sabine hat, für viele im Jazzland, so schien´s, mit einer ausschließlichen Schlagzeug-Nummer das Auditorium dabei sein lassen, wie sie es nun versteht, nur mit ihren Instrumenten vom versteckt geflüsterten Erlebnismoment zur umwälzenden Aggressivität mitzureißen. Man, sie kann mit ihrer Gerätschaft Geschichten erzählen, in Gefühlswelten den Hörer mit hineinnehmen. Na, das war ein echter Hammer!

Doch Martin Pyrker holte sich für diesen Abend jenen Bassisten, der nicht nur mit Jerry Lee Lewis´s und Siggis Blues Band “Hooked On Blues" vertraut ist, sondern dem Blues jene Vibrationen verschafft, die wesentlich dazu beitragen, daß die Gesetze der Physik abgeschaltet werden: Michael Hudec. Bei ihm kommt ja nicht nur - das ist jetzt nicht als Selbstverständlichkeit zu verstehen - ein so seltenes feines Bass-Spiel zu tragen, seine Mimik, sein sich mit geschlossenen Augen Abtauchen in die Welt der Musik, in seine Welt, das sei festgehalten. Doch, das denke ich: er führt vor, was die Zuhörer an Musikhören zum Musikinhalieren bringen kann. Resumee: Hudec oft gehört, nie der unverändert Gleiche.

Als feine Besonderheit hatte Martin Pyrker Gine Heiger auf die Bühne gebracht. Sie ist nur ganz selten zu hören. Also war dies ein besonderer Lohn des Abends für das Auditorium. Sie singt Blues der ganz frühen Jahre, die man so gut wie nie vorgetragen bekommt. Ist nun bereits das eine Extragabe, so erst recht ihre Stimme: intensiv, kräftig, dunkel gefärbt, als müßte sie sich gegen gewaltige Rauchwolken im überfüllten Lokal behaupten. Wenn ich jetzt sage, sie die einzige Repräsentantin für provokanten, klaren, erotisch vibrierenden Gesang ist, der in der gesamten Bluesszene in den Schubladen respektive Kehlen versteckt gehalten und geknechtet da sind, so kann ich dazu stehen, weil sie diesen Abend mit ihren (zu wenigen) Gesangsnummern dieses “-Häubchen" aufgesetzt hat, das zu missen ab jetzt nicht mehr zulässig ist. So interpretiere ich auch den kräftigen Applaus. Gine Heiger wird es selbst nicht so sehen: Aber ihre Singweise, ihre besondere Stimme, ihre Lieder sind ein Werbeinstrument für ihre und auch unsere Musik mit Tiefgang.

Einmal mehr: Es lohnt sich, vertraute Pfade in unbekanntes Terrain zu führen. Der Lohn sind Stunden, in denen der Zuhörer mit Geschenken überhäuft wird, deren Auspacken mit zugewandten Sinnen und Freude am Wohl-Ton aufbereitet ist. Großer Dank an Martin Pyrker & The Chamber Blues Academy.


Hermann


21.02.2012 10:22 Hannelore

Kommentare

Sissi

... zum obigen Bericht einige Gedanken bzw. Richtigstellungen:
diese "vertrauten Pfade" haben wir schon bei der Styx CD-Präsentation dieser Formation am 9.10.2009 verlassen - und einen Abend dafür organisiert.
Leider fanden damals, trotz seltener Gelegenheit Martin Pyrker und seine Band samt Gine Heiger in Wien zu sehen, nur ca. 55 Gäste den Weg ins Davis....
Unsere Anstrengungen, möglichst viele Menschen auch für nicht so Vertrautes, weniger Bekanntes zu interessieren waren damals wie heute die gleichen. Es liegt jedoch nicht wirklich ALLES im Bereich der Organisation und auch keineswegs an der unentgeltlichen Arbeit der Leute die für blues.at arbeiten, dazu die Worte eines erfahrenen Musikers: der Erfolg einer Veranstaltung hängt zu 50% am Veranstalter und zu 50% am Musiker.....
Bei aller Sympathie zur Familie Pyrker und unserer Achtung vor deren musikalischer Qualität: wenn man auf Fragen bezüglich Werbung, einer evtl. Aussendung an Fans, die diese informieren könnten, die Antwort erhält „das machen wir nie“, stößt dies bei uns auf wenig Verständnis…. Eine Homepage alleine macht´s nicht aus - man muss einfach seine Fans und unter Umständen auch neue Gäste direkt ansprechen, sie einladen zu den Konzerten zu kommen!
Dies gilt natürlich im Jazzland nur bedingt - dorthin kommen tagtäglich auch zufällig Gäste vorbei, ist es doch für Wien legendär… ganz anders sieht es für´s Davis aus, denn in der Großfeldsiedlung kommt niemand zufällig vorbei, da muss man die Gäste schon „hinbringen“ - mit gezielter Werbung. Und da braucht es die Bemühungen ALLER Beteiligter…..
Liebe Grüße, Sissi

26.02.2012 10:30
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