Sugar Blue am 21.4 im Tunnel
Mittwoch spielte im Tunnel wieder einmal eine steirische Band auf - Oliver Mally & seine Blues-Distillery gaben sich die Ehre. Mit im Gepäck hatten sie einen besonderen Gast: Sugar Blue.
Ich hatte vorher eigentlich noch nie von ihm gehört, aber auf den Tipp eines Freundes hin fand ich, daß er sicherlich einen Besuch wert sei. Ein wenig tröpfelten dann doch die Infos, und immerhin wußte ich schon vor Konzertbeginn, daß er an der Filmmusik von "Angel Hart" (dieser düstere Film mit Mickey Rourke, als der noch keine Schönheitsoperationen hinter sich hatte, als Soldat/Privatdedektiv, der dem Teufel seine Seele verkauft hatte, und Robert de Niro als Satan) mitgeschrieben hatte, auf einem Album der Stones zu hören ist, mehrere Grammys gewonnen hat, und auch sonst auf eine lange Liste von Aufnahmen mit vielen namhaften Künstlern zurückblicken kann.
Äußerlich entsprach er jedenfalls dem "Bluestyp" - schwarz, mit Hut tief in die Stirn gezogen - das einzige, das das Bild störte, war, daß er ständig SMS auf seinem Handy schrieb. - Naja - auch die Bluesmen verändern sich.
Das stellte ich dann auch sehr schnell fest, als das Konzert begann. Die ersten Töne aus den Verstärkern bliesen mich an die Wand, aber als ich mich dort wieder abgekratzt und an die "britische Lautstärke" (Danke, Börni, für diese Wortschöpfung ;-))) gewöhnt hatte, blieb mir der Mund offen.
Ich meine, ich kenne schon einige Harpspieler und jeder hat auch seinen Stil. Aber grundsätzlich zieht sich für mich doch eine Linie durch. - Sugar Blue warf dieses Bild total über den Haufen. Noch nie zuvor hatte ich erlebt, daß jemand so klar und akzentuiert die einzelnen Töne setzt. Während normalerweise bei den Läufen die Töne ineinander fließen, gab es hier zwar auch eine Linie, aber nichts "Verwaschenes" oder "Dreckiges", sondern rein und klar.
Ich fand ja, daß sich manche Passagen sogar richtig jazzig anhörten, das wurde aber von anderen Zuhörern sofort bestritten - ich find´s trotzdem (cooooollll).
- Zwischenzeitlich wurden mir die Namen einiger anderer Musiker genannt, die auch so spielen - sorry, ich habe sie vergessen (kein Notizbuch bei mir). Wen´s interessiert, der sollte Börni (von Korvasmedia) fragen.
Mir gefiel auch unheimlich, daß Sugar Blue sehr viel in den hohen Tonbereichen spielte, diese Technik ist - so habe ich mir von Kennern sagen lassen - sehr schwierig. Zusätzlich schaffte er es aber auch noch, Baßtöne mitklingen zu lassen - keine Ahnung, wie das geht.
Und so wie sein Harpspiel war auch sein Gesang. Normalerweise habe ich ziemliche Probleme, die Texte zu kapieren, wenn da ein waschechter Ami auf der Bühne steht. Aber bei Sugar Blue kein Problem - deutlich und leicht verständlich.
Trotzdem hatte das Spiel eine unheimliche Dynamik. Sugar Blue kippte total in die Musik und seine Show war wirklich astrein.
Zusätzlich fiel mir sehr positiv auf, daß die Band sich total zurücknahm. Am Anfang - zum Aufheizen - spielten sie einige ihrer eigenen Nummern, aber sobald der Special Guest die Bühne betrat, war er der "Star". Ich finde, das zeichnet einen guten Musiker aus - daß er nicht nur sein Ding zeigen möchte, sondern sein Ego auch zurückstellen kann.
Oliver Mally (an der Gitarre) hat wirklich einiges am Kasten und Raphael Wressnig an der Hammond-Orgel brachte den totalen Drive.
Der einzige Wermutstropfen des Abends war, daß es nur ein langes Set gab. Gerade, als ich mir dachte, jetzt wäre eine kleine Pause nett, verabschiedete sich die Band auch schon. Und nach zwei Zugaben war Schluß.
Mir ein wenig unverständlich - vor allem aus zwei Gründen: Erstens (großes Lob an die Zuschauer!) war der Tunnel gut besucht (jeder Tisch besetzt, aber kein Stau in den Gängen) und zweitens zog Sugar Blue sich nach dem Konzert in eine Bank zurück und spielte dort noch für sich weiter. - Warum hatte man es also so eilig, von der Bühne zu kommen?
Trotzdem - Oliver Mally mit seinen Mannen und Sugar Blue lieferten mir an diesem Abend ein Bild des "neuen" Blues - eines Blues, der nicht irgendwo im Mississippi oder in den 30ern steckengeblieben ist, sondern der die heutigen, modernen Strömungen aufnimmt und trotzdem das Herzblut dieser Musik in sich trägt.









Kommentare
Raphael Wressnig
Hi Hannelore!
Schön, dass Dir unser "Tunnel-Gig" gefallen hat. Als Zuseher von Clubkonzerten geht es mir genauso - eigentlich sind 2 Sets einfach cooler. Aber im Tunnel war es diesmal so der Plan - keine Ahnung warum. Ich habe eigentlich den Tunnel bei den letzten Gigs (im November mit Larry Garner, im Dez. mit meinem Jazzorgeltrio, im Jänner mit Enrico Crivellaro, und eben jetzt mit Sugar Blue) im recht pulsierend erlebt - hoffentlich bleibt das so.
Stay chilly baby,
Raphael. (nicht Ralph......)
Hannelore
Hallo, Raphael!
Sorry, Sorry, Sorry für die Neu-Taufe. Großes DANKE an Alf(i), er hat´s gleich korrigiert!
Hannelore
oliver mally
hi hannelore!
danke für deinen besuch im tunnel und für die positiven zeilen.freut mich dass es dir gefallen hat.wir hätten auch lieber zwei sets gespielt aber es wurde ein langes set "gewünscht".also ich hoffe dich wieder einmal bei einem unserer wien konzerte begrüssen zu dürfen - bis dahin alles liebe - oliver mally
sue
hi ihr,
hannelores kompliment kann ich nur bekraeftigen, leider hatte ich bisher nicht die gelegenheit, die distillery mit raphael zu hoeren.
die medien sind ja voll des lobes ueber die gesamte crew und zwar nicht zu unrecht
es ist sehr gut, wenn der alte blues auch aus heutiger sicht zelebriert wird.
leider habe ich euer konzert wieder wegen proben versaeumen muessen.
meiner ansicht nach waere das publikum zahlreicher vorhanden, wenn nicht gerade mitte der woche dieser termin angesetzt wird. da kommen nur die eingeschweissten fans hin.
ein donnerstag waere schon hilfreicher. (dies auch zur beantwortung zum eintrag von Hermann)
noch dazu wenn der tunnel jetzt die wundervolle verwandlung vom club zur grossen event-location machen will und daher sowohl preise zur sicherheit diesem niveau angleicht als auch die praesentation. ein auftritt mit pause macht aus dem ganzen wieder einen schnoeden club-gig.
leider ist die location nicht groesser geworden, die rundbaenke nicht gemuetlich zum sitzen. wer also zu neuerdings unstudentischen preisen trotzdem und am mittwoch kommt, hat eine ehrenmedaille verdient.