T.M. Stevens am 19.4.05 im Reigen
Eigentlich war mein Plan, den Dienstag abend zuhause zu verbringen und der Ruhe zu huldigen. Die letzten Wochen waren doch etwas anstrengend gewesen (jeden Tag im Büro zu sitzen und die Nächte im Konzertsaal zu verbringen hinterläßt Spuren) und so rief alles in mir nach Schlaf, Schlaf, Schlaf!
Aber dann machte ich den "Fehler", mit einem der Tontechniker im Reigen über den Gig am Dienstag zu sprechen. Am Programm stand T. M. Stevens, ein Name, der mir schändlicherweise rein gar nichts sagte. - Nun, die Aussagen machten mich doch sehr neugierig: Ein Baß-Spieler, der absolut charismatisch sei und das Publikum innerhalb weniger Minuten total in der Hand hat...
Also warf ich die Ruhepläne über den Haufen und machte mich wieder einmal auf nach Wien?
Schon beim Hineinfahren versuchte ich mich ein wenig auf die Enttäuschung einzustellen, daß mich wahrscheinlich wieder ein halbleerer Reigen erwarten würde. Der Abend zuvor mit Walter Trout hatte mir wieder gezeigt, wie toll die Stimmung schon einmal dadurch sein kann, daß viel Publikum anwesend ist. Wie schade, daß das vielleicht nur die Ausnahme gewesen war. - Nun, die erste Überraschung war für mich, daß ich schon einige Runden um den Reigen kurven mußte, um einen Parkplatz zu finden - das ist ja schon immer ein Synonym dafür, daß das Konzert gut besucht ist.
Als ich mich dann dem Eingang näherte, kamen mir auf der Straße drei lustig bemalte Männer in bunten Kostümen kichernd entgegen. Zwei Dinge dachte ich mir, als sie so bei mir vorbeimarschierten: "Aha, sind das die Groupies?" und "tolles Parfüm". - Dann fiel mir ein, daß die Reigenbühne einen direkten Ausgang auf die Straße hat, daher folgerte ich blitzschnell, daß mir da gerade die Band begegnet war.
Die nächste Überraschung erlebte ich, als ich das Lokal selbst betrat: Die Hütte war bummvoll! Am nächsten Tag hörte ich etwas von 354 Besuchern - diese Zahl war aber bereits durch mehrere Kanäle gegangen, daher kann ich für die Richtigkeit nicht garantieren - aber ich kann´s schon glauben - es waren sogar die Tische zur Seite geschoben worden, weil das Publikum nur stehend unterzubringen war.
Den Altersdurchschnitt der Konzertbesucher hob ich durch meinen Besuch sicherlich um 30%. Ich schätze, die meisten Gäste waren so um die 20 bis 25 Jahre. Alle waren nach heutiger Mode gekleidet - in der Art "wir machen eine Dschungelexpedition und die Frauen bieten den ungeschützten Bauch dem Feind dar", daher fühlte ich mich in meinem Bürooutfit (wozu umziehen, es kommen ja eh nur 30 Leute?) leicht deplaciert. Also versteckte ich mich gleich einmal hinter einem Tisch neben der Bühne und harrte der kommenden Dinge.
Schon der Konzertbeginn war ungewohnt. Hier war nicht das Licht aufgedreht, irgendwann wanderte die Band auf die Bühne, kratzte sich am Kopf, machte es sich bequem und dann ging es los. - Nein: Das Licht im Saal war bereits abgedunkelt, die Scheinwerfer warfen verschiedenfarbige Lichtkegel über die Instrumente und die Zuschauer und sicherheitshalber wurde schon eifrig geklatscht und gejohlt. - Kaum hatte ich es mir auf meinem Tischchen bequem gemacht, öffnete sich auch schon die Seitentür - und ja, herein kamen meine drei Jungs von der Straße!
Eine Welle ging durch´s Publikum, ein lautes Jubeln, und los ging die Show! Die nächsten zwei Stunden war auf der Bühne und im Publikum die Hölle los. Gleich zu Beginn wurde einmal die Band vorgestellt:
G-Man an den Drums, Mr. Master Blaster an der Gitarre und T.M. Stevens am Baß. Für mich war ja schon ungewöhnlich, daß einmal nicht die Gitarre im Mittelpunkt stand, sondern der Baß. Und höchst überraschend war, wie vielseitig man dieses Instrument spielen kann.
Zusätzlich mußte ich meinem Gesprächspartner vom Vorabend absolut recht geben: Dieser Mann hat sein Publikum in der Hand. Die ganze Zeit reckten sich ihm Hände entgegen, wurden Fäuste in die Luft geworfen und alle sprangen auf ihren Plätzen herum. Bei zwei Nummern (u.a. "Shake your body, baby") holte sich T. M. einige Mädels (und auch zwei Burschen mit wallenden langen Haaren) auf die Bühne, lies sie ins Mikro singen und abtanzen.
Gleich zu Beginn dachte ich mir: "Oh je, Headbanging", stellte aber nach spätestens zehn Minuten fest, daß das eine tolle Lockerungsübung für die verspannte Nackenmuskulatur ist.
T.M. Stevens hat bis jetzt acht CD´s veröffentlicht, heuer im September erscheint die neunte. Er selbst bezeichnete seine Musik als "Heavy metal Funk and a little Schnick Schnack". Den Abend im Reigen widmete er seiner Favorit-Band Pantera.
T.M. stand schon mit vielen Größen auf der Bühne und im Aufnahmestudio, unter anderem mit James Brown, Tina Turner, Billy Joel und Joe Cocker (bei dessen größtem Hit "Unchain my heard" er auch dabei war). Sein besonderes Markenzeichen ist der Groove, mit dem er sein Instrument spielt. Da geht es nicht "Doing, doing, doing", wenn er die Seiten anschlägt, sondern "Tschoiiiiing", was unheimlich fetzig klingt (ich hoffe, kein Musikwissenschaftler verwendet diese Beschreibung für irgendein Standardwerk der Musikliteratur ;-)).
Er hatte nicht nur luftig-leichte Nummern im Gepäck, sondern auch so manches Kritisches (u. a. den wunderschönen Song "See the world through the eyes of a child", den er mit folgenden Worten einleitete: "Somebody in the White House is fucking up the world. - I don´t say who").
Den ganzen Abend über bezeichnete T. M. sich selbst und seine Band als "African Zulus" und für die Zugaben wurden auch wir Zuhörer in den Clan aufgenommen.
Während des gesamten Konzertes hielt er engen Kontakt mit dem Publikum, sprach die Leute in einem Kauderwelsch aus deutsch und englisch an und erkundigte sich, ob sein Englisch eh verständlich sei. - Er ist auch ein total witziger Mann, gut drauf und freundlich. Ich war total fasziniert von ihm, vor allem, weil das alles wirklich echt war. Die drei hatten unheimlich Spaß auf der Bühne, freuten sich selbst am meisten über ihre tolle Musik. - Normalerweise kenne ich die Baßspieler ja als die ruhenden Pole der Bands. T.M. ist aber ein wahres Energiebündel, fetzte die ganze Zeit über die Bühne und bewegte sich andauernd im Rhythmus der Musik.
Ich selbst bin mir noch nicht sicher, wie ich zu T.M. Steven´s Musik stehe. Sie ist schon ziemlich hart und laut und ich weiß auch nicht, ob Funk so das meine ist. Einige Nummern waren wirklich toll, total groovig und mitreißend, aber ich weiß nicht, ob ich eine CD ständig rauf und runter spielen würde. Ich denke, ich bin schon mehr im "authentischen" Blues und im Blues-Rock zu Hause. - Aber alleine, um diese charismatische Erscheinung einmal auf der Bühne zu erleben, um diese Spielfreude zu sehen, war es absolut wert, in dieses Konzert zu gehen. Und wenn T.M. das nächste Mal nach Wien kommt, wird der Abend sicherlich wieder auf meinem Plan stehen...









Kommentare
feli
Ein wirklich toller Abend mit superguter Stimmung und genialer, funkiger Musik - leider war der Sound sehr, sehr bescheiden...
Lore
Ich habe mich erkundigt - die Band hatte ihren eigenen Tontechniker mit...
Carsten
Ollah.
Habe grad über Google dein "Erlebniß" mit den ZOOLOO's gefunden,und muß sagen daß Du ein TM Stevens Konzert SUPER wieder gegeben hast.
Wenn die Jungs wiedermal in deiner Gegend sind rate ich Dir nach dem Gig ein wenig zu warten und mit ihn mal zu Reden.Das Charisma was er auf der Bühne verpsrüht ist nix gegen das was er als Mensch versprüht.
Love,Peace and Funk it
Hannelore
Freut mich sehr, daß Dir die Review gefallen hat! - Und Deinen Tipp werde ich mir auch merken...
Liebe Grüße
Hannelore
Rene
Komme gerade vom TM Stevens Konzert in Köln wieder und kann dieser review nur zustimmen, auch der Sound heute war net der beste, zwar klar und deutlich aber die Gitarre war kaum hörbar... auch heute hatten sie ihren eigenen Tontechniker dabei^^