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Al Cook's Blues Spirits

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11. THE VOICE OF THE BLUES
Radio emap.fm im Internet

©Al Cook, 2001 - 2010

Liebe Blues Connection-Fans !

Nach langer Zeit ist es nun wieder so weit; ich schwinge die Feder, um mich wieder einmal schriftlich an Euch zu wenden. In letzter Zeit hat sich so allerhand getan und ich mußte journalistisch ein wenig pausieren. Vor allem die Gründung unseres noch fast noch jungfräulichen Internet-Radios hat ihre Zeit zwecks Erfahrungssammlung gebraucht. Unser Moderator, der von allen geschätzte und geliebte Peter "Smörre" Klein, arbeitete sich in kürzester Zeit zum sympathischen Master Of Ceremonies hoch und verbreitet die für eine Bluessendung unerläßliche intime Wohnzimmeratmosphäre, denn Al Cook's Blues-Kitchen ist nunmal kein cooles Ö3- oder Energy-Studio, das mit Superhammergigageiler Raithofer-Show die "Message" abläßt. Der Blues ist ewig wie der Wiener Walzer und hat keine Marktschreierei notwendig.

Emap.fm ist ein internetgestütztes Radioprogramm, das auf Grundlage der Verbreitung nichtkommerzieller ethnischer Volksmusik aus aller Welt aufbaut. Solch einem Redaktionskonzept drängt sich der authentische Blues als idealer Programmpunkt fast logisch auf. Weder die öffentlich-rechtlichen, schon gar nicht die Privatsender haben eine Nische für sogenannte nichtkommerzielle Musikformen. Doch in letzter Zeit hat sich auf dem Gebiete des Jazz und Blues unser heimischer Kultursender Ö1 sehr verdient gemacht. Herbert Uhlir, der zuständige Jazzredakteur hat in Zusammenarbeit mit Erik Trauner und Busy Tom die Ö1 Bluesnacht auf die Beine gestellt.... und siehe da, sie war bereits 14 Tage vor Konzerttermin ausverkauft. Also wer da noch von "Minderheitenprogramm" und "Spielwiese für Experimente" spricht, sollte sich eine Therapiestunde gegen Fixideen leisten. Zwischen MTV und Musikantenstadel ist noch leerer Baugrund und auf dem werden wir unser Barrelhouse errichten.

Wer Unkommerzielles produziert und sich nicht von profitgeilen Werbefirmen ins Konzept reden lassen will, muß sich auf der idealistischen Schiene bewegen und den Rechenstift in der Tasche lassen. Mit vereinten Kräften stellen wir jeden Donnerstag eine Sendung her, die am darauffolgenden Dienstag dreimal im Internet auf emap.fm gesendet wird. Das Konzept ist so einfach, wie wirksam. Man kommt in "Cook's Blues Kitchen" zusammen, lädt sich jede Woche einen Gast ein, der mit dem Moderator zwanglos plaudert und die Wahl hat, seine Favorites per CD oder einfach live einzuspielen, was noch die Qualität unikärer Live-Versionen hinzufügt. Da weder Studiostreß noch kalte Technik die Laune des Gastes oder der Crew trübt, entstehen Tondokumente von unschätzbarem Wert, der allerdings erst in Jahrzehnten begriffen werden wird. Die gesamte Bluesszene dokumentiert sich faktisch zwischen einer Flasche Bier und einer Zigarette. Man stelle sich nur vor, diese Idee hätte man schon zur Blütezeit des Blues gehabt; somancher würde heute sein letztes Hemd für ein Plauderstündchen mit Robert Johnson oder Blind Lemon verkaufen. Doch wie immer, hat man auch damals dem Blues nicht die Beachtung geschenkt, die ihm zugestanden wäre. Noch heute ist es das Lebenswerk einiger verrückter Idealisten, seine Geschichte zu dokumentieren oder diese schöne Musikkultur am Leben zu erhalten, wie wir alle es seit fast vier Jahrzehnten tun.

Nachdem die Rohform auf CD gebrannt ist, wird sie von Tom und Smörre sendefertig geschnitten und dann geht's ab ins Internet. Obwohl wir anfangs mit Stereomikrofonen Marke Niedermeyer arbeiten mußten, bekamen unsere ersten Sendungen gute Kritiken. Nun aber setzte ich mich bei meiner Ex für unser Projekt ein und sie überließ mir als Leihgabe die besten Studiomikrofone, die AKG zu bieten hat. Vielen lieben Dank. Aber vielleicht begeistert unser Idealismus noch ein paar Sponsoren die guten Willens sind und wir könnten dazu noch unsere Regien abdecken. Also verbreitet die Kunde: Tuesday Is Blues Day und macht eine Reise mit dem Bluestrain Austria in eine interessante Welt abseits massenmedialer Volksverdummung. Ihr werdet nicht nur von der stilistischen Vielfalt dieser Musik begeistert sein, sondern auch der Welt größte Dichte an Blueskünstlern hautnah erleben. Mehr können wir zwar momentan nicht tun, aber es ist schon ein großer Schritt in Richtung öffentlicher Anerkennung. Die nächsten Schritte wären dann eine Nightwatch- oder Schauplatz Sendung und guter Letzt reelle Auftrittsmöglichkeiten im Hauptabendprogramm. So kann der letzte Musikantenstadelplebejer Bekanntschaft mit dem Blues machen. Ich habe mich bereits auf meine Abwanderung in den Ruhestand vorbereitet, aber die Eröffnung derartig zukunftsträchtiger Aussichten läßt mich an ein Weitermachen denken. Also solange es den Blues gibt, wird es Al Cook geben.

Aber nun zu den vergangenen Sendungen selbst.
Wir starteten unsere erste Folge mit einem Beitrag über mich und meine Laufbahn als Musiker. aber dazu muß ich bemerken, daß ich zum Radiosprecher noch einen breiten Weg zu gehen habe. Obwohl ich viel zu sagen habe, ist das oft nicht so schnell in Worte zu kleiden und mein unterschwelliger Arbeiterdialekt quält mich, seit ich mich öffentlich zu Wort melde. Diese Schizophrenie zwischen Alois Koch und Al Cook ist manchmal schwer zu bewältigen. Aber ich werde es schaffen, meine Sprechstimme in den Griff zu bekommen.
Da nun unsere Bluesszene den Weg in meinen Elfenbeinturm gefunden hat, ist mir die Qualität unserer Musiker erst so richtig bewußt geworden. Man soll nicht glauben, welch talentierte Leute unser kleines Land sein eigen nennen kann. Musiker wie Mike Doc Stockinnen oder Two and a Blues waren mir bis dato unbekannt. Daß Chris der Vierer so phantastisch Blind Blake interpretieren kann, hörte ich erst anläßlich seiner Geburtstagsfeier.
Aber der totale Hammer war unser Benjamin, Peter Kern. Man glaubt nicht, was dieses Jüngelchen aus seiner Gitarre herausholt. Sein Gesang scheint mir zwar etwas zu countrymäßig und modern phrasiert zu sein, aber der Einfallsreichtum in punkto Blueslyrik schlägt alles. Er verarbeitet, so wie es sich gehört, seine Lebenserfahrungen und braucht dazu keine Schmierzettel und Denkhilfen. Ich nahm schon an, daß er sich irgendwann einmal totsäuft, aber er hat es geschafft, vom Alkohol loszukommen. In gewisser Hinsicht muß man sich eingestehen, daß er das Zeug zum Star hat, nur muß er noch wissen was er will. Ursprünglich hoffte ich, daß Peter einmal meine Nachfolge antreten wird, aber der Jammer bei dieser Jugend ist, daß sie sich nicht aus dem Dunstkreis der Popkultur heraushalten kann. Das weibliche Pedant ist seine Exfrau Katie. Soetwas von einem Bluestalent kann man sich nur wünschen. Diese Frau lebt und stirbt für den Blues und ich wäre begeistert, wenn sie wieder bei meiner nächsten Produktion dabei wäre. Aber auch sie torkelt zwischen weißer Country Musik und Blues herum. Tröstlich für mich ist wenigstens die Tatsache, daß sie sich bis dato nicht im Pop-oder Funklager versucht hat, was sich aber bei ihrer jugendlichen Sprunghaftigkeit noch ändern könnte. Also beruhigt sterben kann ich noch lange nicht.

Nun ist es Zeit, meine Kolumne für heute zu schließen und wie immer habe ich auch etwas in eigener Sache zu sagen....Was ist los mit Euch ?
Ich habe nun ein volles Monat gewartet, um zu meinem Aufruf punkto Musiker und Drogen ein paar Reaktionen zu lesen oder zu hören. Dieses Thema ist wohl eines der brisantesten Probleme unserer Zeit. Hat da wirklich dazu niemand etwas zu sagen, oder schämen sich einige, sich als Betroffene zu deklarieren. Es wäre ein Fortschritt, wenn man das Image des Blueskünstlers vom Nimbus des versoffenen, bekifften und abgefuckten Penners befreien könnte.

Also, liebe Freunde ! Ladet Eure Freunde, Bekannten und Verwandten ein, sich eine Reise mit dem Bluestrain Austria zu gönnen......auf EMAP.FM

Ersterscheinugsdatum:21.4.2001
©Al Cook, 2001 - 2010 http://www.alcook.at

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AL COOK ist nun auch wieder auf Blues.at zu finden!
Wir freuen uns sehr, daß sich Al Cook dazu bereit erklärt hat, uns eine regelmäßige Kolumne und Geschichten über den Blues zu schreiben, in welcher er uns alle an seinem nahezu unendlichen Erfahrungs - und Wissenschatz teilhaben läßt.