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Al Cook's Blues Spirits

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13. PAPA'S TAPAS
Aufstieg und Fall einer Clublegende

©Al Cook, 2001 - 2009

Liebe Fans und Freunde des Papa's Tapas !

Mein lieber Freund Busy Tom hat mir bei unserem letzten Treffen berichtet, was sich so um die Schließung des Blues-Treffs und Insiderlokals am Schwarzenbergplatz so tut. So soll sich via Internet eine rege Diskussion entwickelt haben. So war es nur eine Frage der Zeit, bis mich Tom ersuchen würde, meine Stimme als dienstältester Bluesman zu erheben.

Nun, ich muß hier vorerst, wie so oft, meinen persönlichen und den offiziellen Standpunkt scharf trennen. An sich ist es nicht leicht für mich, in punkto Papas Tapas objektiv zu bleiben, da ich letztendlich keine guten Erfahrungen mit der Führung dieses Lokals gemacht habe. Aber ich gehörte sowieso nie zum typischen Papas- Pool, denn meine musikalische Heimat war seit jeher das Jazzland.

Ich lernte das "Papas" erst Anfang Oktober 1983 anläßlich meines Debuts als Leader der Rockabillyformation "Al Cook with Harry and Mike" kennen. Von dort aus starteten wir den einheimischen Rockabilly-Boom, der z.B. die Salty Dogs hervorbrachte. Damals war ein gewisser Gerard als Geschäftsführer tätig und griff gegen Schluß des Abends gerne zum Washboard und (Wasch-) rumpelte gern ein wenig mit. Damals pulsierte das Lokal vor Leben und Zuversicht. Die Musik, die in den Pausen als akustische Füllmasse diente, war stets an die Erfordernisse des Abendprogramms angepaßt, was später oft nicht mehr festzustellen war. Gewisse Tischgruppen waren permanent für Stammpublikum reserviert und man konnte zusehends bemerken, daß eine Papas-Familie im entstehen war. Die Gagen waren zwar immer vergleichsweise lausig, aber das nahm man für das Ambiente gern in Kauf. Da ich Papa Fink schon seit den späten 60ern kannte, konnte ich mir vorerst das Privileg einer Fixgage sichern. Ich war ja nach 20 Jahren Bühne kein Newcomer mehr, der sich vor 14 Tagen eine Gitarre zugelegt hatte. Damals feierte ich im "Papas" bereits meine dritte "Wiedergeburt" und zwar als Rockabilly-Star. Das Lokal platzte förmlich aus den Nähten und Papa Fink machte Umsatz. Ich brachte ihm die Sekttrinker und nicht bloß die Colasüffler, die sich zu dritt ein Glas teilten. Doch da leistete sich der Gute einen fetten Fauxpas. Eines Abends ging die Begeisterung so weit, daß man mir nach dem Konzert einen vollen Sektkübel mit Sammelgeld überreichen wollte.....Flugs war Papa Fink auf dem Plan und konfiszierte die Sammlung mit dem Argument, er hätte aufgrund des Erfolges das Doppelte an Eintritt verlangen können und forderte daher Verdienstentgang ein. Das führte dazu, daß ich mich im "Papas" anderthalb Jahre nicht sehen ließ. Ich bin aber fast der Überzeugung, daß diese Aktion ein Werk seiner Angetrauten war, die eine gnadenlose Pfennigfuchserin war. Eines Abends lieh ich mir von Papa Fink einen Fünfer fürs Telefon aus und er winkte ab, als ich ihn zurückerstatten wollte, aber seine "Alte" schoß wie eine Furie dazu und putzte ihren Mann zusammen. "Wir haben nichts zu verschenken....". Daraufhin kontaktierte meine Frau die entsprechenden Referenten bei der Wiener Handelskammer und erfuhr, daß Herr Helmuth Fink nur eine Konzession für das Auftreten von jungen Talenten hatte, denen das "Papas" als Plattform und Bühnenerfahrung dienen sollte. Also was gab ihm das Recht, mich wie einen Klimperanten einer Schülerband zu behandeln ? Geraume Zeit später bekniete er mich, doch wieder das Paps Tapas mit meiner Musik zu beglücken. Ich sprach ihn nie wieder auf den Geldkübel an und ließ mich gegen eine ausgemachte Fixgage und Extras nocheinmal breitschlagen.

Den Höhepunkt erreichte das Lokal unter der Regentschaft des "Rotbarts" Manfred. Er füllte das Lokal schon mit seiner Persönlichkeit. Zwar gab es einige die mit ihm nicht zurechtkamen, weil er manchmal den Chef herauskehrte, aber ich hatte eine positive Einstellung zu ihm. Manfred paßte auf, daß nicht immer dieselbe Backgroundmusik gespielt wurde und ich hatte den Eindruck, daß er das war, was man unter einem engagierten Hausherrn versteht.
Aber dann krachte es das erste Mal im Gebälk. Papa's Sohn Tommy übernahm den Laden und glaubte, ein neuer Besen sein zu müssen. Bereits die erste Aktion, die dieser Grünling setzte, war ein Griff ins Mannerstübchen. Wie konnte man bloß aus so einem Traditionslokal wie dem "Wurlitzer" einen Soulschuppen machen.....das mußte doch in die Hose gehen. Diese neuen Pharaos, die immer glauben, Ägypten besser zu regieren, scheitern letztendlich an den sieben Plagen und die begannen mit Besucherschwund, dann mit dem Zerfall der Atmosphäre und schlußendlich mit dem sinkenden Niveau des Programms. Dereinst war dieses Lokal die Wiege der zweiten, dritten und vierten Generation österreichischer Szenemusiker, wie es in der Steinzeit des Austropop das Golden Gate und das legendäre Atlantis war.Ich saß oft und oft nächtelang im Papas und zeigte den heranwachsenden Bluesküken, was man auf einer Gitarre alles machen kann und bald ging es für sie aufwärts und ab zu den Bühnen Europas.

Doch dann wechselte das Personal und wie man sehen konnte, beschränkte man sich auf Servieren und Abkassieren. Zwischen meinen Auftritten spielte man alles Mögliche, nur keinen Blues und das Stammpublikum tröpfelte langsam ab. Ich spielte mir den Arsch ab, aber das Publikum war keine kompakte Angelegenheit mehr. Immer mehr Besucher verwechselten das Papas mit einer Quatschbude und mich mit einem Kofferradio. Ich mußte mehr als einmal "Shut Up !" in die Menge bellen, um meiner Präsenz Geltung zu verschaffen. Für diese Gagen verlangte ich mehr als nur eine halbkaputte Tonanlage und ein nach Nachttopf klingendes Pianino.

Der neue Pharao Peter Walert ist möglicherweise ein brillanter Kaufmann, aber in punkto Künstlerbetreuung ein glatter Versager. Wie konnte er einem Mann wie mir am Telefon sagen: "Auch für Dich gibts ab nun keine Fixgage mehr". Soll ich jetzt mit dem Hut durchs Publikum gehen, um eine milde Gabe für einen armen Künstler bitten, oder mich mit Newcomern um Zuschauerzahlen konkurrieren ?!
Mein letzter Auftritt im Papas Tapas brachte mir ganze 350.-(Schilling). Was sollte ich noch in diesem Lokal ?

Das Papas Tapas mag für viele Musiker ein idealer Treff gewesen sein und man wird sich wie im Fall Atlantis, in romantisierende Wehmut ergehen, aber man konnte weder das alte Atlantis, noch das Golden Gate wiederauferstehen lassen. Mit dem Papas Tapas wird es ebenso sein. Was sich totgelebt hat, steht nicht wieder auf und wie das zweite Woodstock ein Flop war, sollte man in punkto "Papas" auch die Realitäten erkennen. Wie eine geklebte Beziehung kein monolithischer Guß mehr ist, sollte man sich nach einem völlig neuen Lokalkonzept umsehen. Was uns fehlt, ist ein kompromißloses Blueslokal mit Barrelhouse-Touch. Ideen habe ich genug, aber mir fehlt das Geld, vielleicht auch der richtige Pool an Musikern. Die Zukunft wird's zeigen.

Euer AL COOK

P.S.: Mein Aufruf punkto Drogen hat offenbar nichts gebracht. Es ist mir unverständlich, daß zu so einem weltumspannenden heiklen Thema niemand etwas zu sagen hat......oder gibt es eine schweigende Mehrheit schlechten Gewissens ???

AL COOK ist nun auch wieder auf Blues.at zu finden!
Wir freuen uns sehr, daß sich Al Cook dazu bereit erklärt hat, uns eine regelmäßige Kolumne und Geschichten über den Blues zu schreiben, in welcher er uns alle an seinem nahezu unendlichen Erfahrungs - und Wissenschatz teilhaben läßt.