

Anmerkung : Diese Kolumne nimmt auf einige Beiträge in unserem Forum Bezug.
Liebe Leser und Diskutanten !
Da ich selbst noch über keinen Internetanschluß verfüge und mein lieber Tom mir die aktuellen Emails schuldig geblieben ist, bin ich nicht am letzten Stand der Dinge.
Es ist unglaublich, was der Brief von Hermann Posch in der heimischen Blueslandschaft ausgelöst hat. Leider muß ich aber feststellen, daß keine einzige sachliche und fundierte Kritik dabei war. Man schoß aus vollem Rohr auf mich los, offenbar hatte man endlich einen (Hermann Posch), der es dem ewiggestrigen Cooksie einmal gezeigt hat. Ja, meine Freunde, Ihr habt offensichtlich nur auf die Mails im Forum reagiert und Euch nie die Mühe genommen, meine Beiträge aufmerksam zu lesen, denn darin ist alles was ich mir in 40jähriger Bühnen- und Studienerfahrung mit dem Blues erarbeitet habe, sorgfältig erklärt.
Ich stütze mich dabei im Großen und Ganzen auf weltweit anerkannte und geschätzte Autoritäten wie dem großen Paul Oliver, Larry Cohn, David Evans und...und...Ich könnte die Liste beliebig weiterführen. In den Kreisen der "echten" Bluesfachleute genieße ich schon seit den 60ern uneingeschränkte Anerkennung. In der Aprilausgabe 1974, hat man mich im "Jazzpodium" sogar zum besten authentischen Bluesmusiker weißer Hautfarbe erklärt. Aber ich will hier nicht mit Referenzen um mich werfen, schließlich ist man selbst die beste Empfehlung, wenn man zu überzeugen weiß.
Ich habe mir nur zur Aufgabe gesetzt, mit meiner Erfahrung und meinem Wissen eine Art populärwissenschaftliche Serie auf die Beine zu stellen, die noch mit bißchen Unterhaltungswert und einer gewissen Art von provokant-bissigem Humor ein "Aha"-Erlebnis vermitteln sollte, denn trockene Wissenschaft ist nicht für jeden Geschmack.
Nun aber möchte ich auf die diversen Kommentare eingehen, die mir da so zugetragen wurden. Lieber Doc Stokkinen. Ich war eigentlich von Deinem Können angenehm überrascht. Sogar Martin Pyrker schätzt Dich und das sind die Hardliner. Die Schwarzen kannst Du in punkto Blues nichts mehr fragen, denn als mein Ex-Bassist, der in South Carolina lebt, einen Schwarzen fragte, ob er Robert Johnson kenne, antwortete dieser mit einer Gegenfrage: "Hat der auch mit Dir gespielt ?" Das sagt wohl alles.
Daß Dieser oder Jener mit seiner Musik mörderische Kohle gemacht hat, beweist nur wirtschaftliches Potential, das heißt, er hat die entsprechende Anzahl an Zuhörern. Das heißt aber nicht unbedingt, daß er gut ist. Qualität und kommerzieller Erfolg sind völlig unabhängige Kriterien. Verkauft sich Gutes gut, ist es gut, verkauft sich Schlechtes gut, bleibt es schlecht und umgekehrt. Van Gogh hat zeitlebens kein Bild verkauft und heute zahlt man dafür absurde Summen, obwohl sich an dem Werk selbst nichts geändert hat. Also ist damit auch die Frage eines gewissen Hannes beantwortet, der meint, daß das Publikum über die Qualität von Kunst und Kultur entscheidet. Weil's einer nicht spürt, ist das noch lange kein abwertendes Qualitätsurteil. Mißt man die Dinge am kommerziellen Erfolg, müßten DJ Ötzi und Hansi Hinterseer die größten Künstler sein, die unser Land hervorbrachte Sie sind nichts als jederzeit auswechselbare Module einer Unterhaltungsindustrie, die an niedrigsten Masseninstinkten verdient. Sollen sie's tun, solange es Zaster regnet, denn in einigen Jahren hat sich die Bierzeltgesellschaft sowieso sattgehört und man sieht sich wieder nach neuen Volkswursteln um.
Ein gewisser Bobby Villager schreibt aus der Sicht des Generationenkonfliktes. Es gibt keinen Generationskonflikt, denn der Blues ist ein statisches Kulturgut wie der Wiener Walzer geworden. Wir sind keine "Opas", auch wenn wir einer Kunst verhaftet sind, die an die 80-100 Jahre alt ist. Betrachtet man die Klassikfans unter der selben Lupe, müßte man sie mit dem Etikett "Klassikmumien" versehen, denn wir halten seit fast 300 Jahren Bach, Mozart und Beethoven am staatlichem Subventionstropf. Die jungen Leute, die ihren Titel "Bluesmusiker" wie ein Verdienstkreuz vor sich hertragen, sollten sich einmal gewahr sein, daß das Blueshaus auch auf einem Fundament ruht. Schließlich betritt man ein Haus zumindest durch die Eingangstür und die ist auf Ebener Erde und nicht im 20. Stock. Schließlich war ich es, der in unserem Land den Blues aus seiner belächelten Randexistenz innerhalb der Jazzszene hervorgeholt und zur seriösen Kunst erklärte. Ich habe von niemandem die Bluesweisheit mit dem Löffel gefüttert bekommen, ich mußte mir die Sternchen Schluck für Schluck aus der Suppe fischen.
Zu "Bazooka Joe" muß ich sagen, daß er das Publikum noch dümmer einschätzt, als die Polizei erlaubt. Ich weiß nicht, aus welchen Primaten sich seine Zuhörerschaft rekrutiert. Ich habe solchen Idiotenstadel nur in Provinzdiscos erlebt, als ich einmal versuchsweise als Kulturprogrammpunkt engagiert war. Robert Johnson war zu seiner Zeit das Reserverad am Deltablues-Train. Die Capos waren damals Charley Patton, Son House und Willie Brown. Und wenn der große Blind Lemon Jefferson zur Baumwollernte die Barrelhouses zwischen Dallas und Memphis unsicher machte, war auch dieses Delta-Kleeblatt nirgends. Robert Johnson aber war bereits der Progressive und legte die Straße zu den ersten City-Blues Protagonisten. Erst kurz vor seinem Tode erkannte der lokale Zweig des "Melody Maker" seine Bedeutung, als er verlautete: Robinsonvilles Star is still Robert Johnson.... Übrigens: Dummheit und Ignoranz sind nicht zu tolerieren. Wenn jeder so denken würde, würde die Welt nicht schon so lange durch sie regiert werden.
Eine öffentliche Podiumsdiskussion über dieses Thema zu veranstalten, war schon mehrmals auf dem Tablett, aber wer soll da diskutieren, damit der Zuhörer einen geistigen Profit davon hat. Die Leute, die einer sachlichen Auseinandersetzung fähig wären, sind sehr dünn gesät. Den Einen fehlt das Basiswissen, die Anderen sind zu emotionell und bald geht es zu wie im Parlament. Keiner hört dem Andern zu und versucht sich nur durchzusetzen. Ich würde gerne so ein Bluesforum ins Leben rufen, aber was bringt es, wenn sich poporientierte und authentische Vertreter gegenüber sitzen. Man geht vielleicht verärgert auseinander und die sowieso zerstrittene Bluesszene zersplittert sich noch mehr, also von einer monolithischen Bluesfamilie, wie ich sie sehe, keine Rede mehr. Was meint Ihr ???
Zum strapazierten Begriff der Vielfalt in der Blueskunst habe ich folgendes zu sagen..... Der Hauptgrund, warum ich den historischen Blues als Ausdrucksform erwählt habe, ist seine ungemeine Vielfalt. Als es noch kein Gleichschalten des Musikgeschmackes durch die Medien gab, entstand in jeder Region dieser Welt eine individuelle Form ethnischen Kulturausdruckes. Auf den Blues bezogen, heißt das, daß vom südlichsten Texas bis nach Harlem jeder Bluesinterpret seinen persönlichen Stil hatte. Ihr braucht Euch nur für Johnny Parth's Document Records zu interessieren und könnt auf 880 CDs tausend Stile hören, die man in einem Menschenleben nicht erlernen kann. Hört man sich hingegen die heutigen Musiker an, spielt jeder mit jammernder Overdrive-Gitarre dieselben Phrasen. Die stilistischen Unterschiede sind durch die mediale Vermassung und Vernetzung derartig in sich verwaschen, daß sie oft nur schwer auseinanderzuhalten sind. Also man halte mir bitte nicht Mangel an Vielfaltsbewußtsein vor.
Den einzigen und größten Fehler, den ich bereitwillig zugebe, ist der, vor dem mich schon mein seliger Vater gewarnt hat. Als ich mich im Alter von knapp 20 vor ihm aufbaute und sagte: "Ich werde unser Volk zum Blues führen", starrte er mich an, als sei ich verrückt geworden und warnte mich: "Du kommst damit nicht durch, da schaut nichts raus !" Hätte ich meines Vater's Rat angenommen und wäre Beamter geworden, ich wäre heute Hofrat oder Politiker mit fünfstelligem Eurosalär. Heißt es doch in einer unveröffentlichten Eigenkomposition: I wouldn't listen to my mother, wouldn't take my dad's advice. No wonder that I came down, to red beans and rice.
Aber wer ein Cook ist, der packt seine Gitarre und spielt bis sie ihm einst aus der Hand fallen wird.
AL COOK ist nun auch wieder auf Blues.at zu finden!
Wir freuen uns sehr, daß sich Al Cook dazu bereit erklärt hat, uns eine regelmäßige Kolumne und
Geschichten über den Blues zu schreiben, in welcher er uns alle an seinem nahezu unendlichen Erfahrungs -
und Wissenschatz teilhaben läßt.