
Dear Fans and Neighbors!
Ich hoffe, Ihr habt die Feiertage gut überstanden und seid gerüstet für das Jahr 1 des neuangebrochenen Eurozeitalters. Heute muß man ja Feiertage überstehen, früher hat man sich deren gefreut. Ja, so ändern sich die Zeiten, aber wenn man der Dinge die das Neue Jahr bringen soll, bereits im vergangenen harrt, muß der Silvesterkater mitsamt Alkoholfahne ab in die Vergangenheit und man streckt sich die Ärmel auf, um für das Nächste Jahr fit zu sein.
Ich habe ganz bescheiden, ohne Tam-Tam meine Feiertage verbracht. Mein Kopf ist klar geblieben, weil ich ihn für die CD Präsentation am 16. Jänner im Jazzland brauche. Leider ist meine Frau, die meine Festivitäten aus dem Hintergrund gedeichselt hat noch nicht einsatzfähig. Viele vermissen sie schon seit Jahren, denn sie war immer der gute Geist hinter meinen Aktivitäten. Ein Schlaganfall und darauffolgend ein Überfall und Blinddarmdurchbruch haben ihr ziemlich zugesetzt, aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen und ich hoffe, daß sie nach ihrer letzten Operation bis zum Frühsommer genesen sein wird. Da lernt man, wie schwachsinnig unser pervertierter Materialismus und unser Prestigedenken ist. Der so locker dahingesagte Wunsch: "Bleib' g'sund" ist all meinen Familienmitgliedern zur Lebensmaxime geworden.
Aber nun wollen wir uns dem Neuen Jahr und im Besonderen dem Blues widmen.
Der Beginn des Eurozeitalters hat uns nicht nur eine neue Währung, sondern auch ungeahnte Möglichkeiten im Kontinentaleuropäischen Raum eröffnet. Stellt Euch vor, wir brauchen unser Köpfchen nicht mehr anzustrengen, wenn wir auf unseren ausgedehnten Europatourneen ein wenig shoppen gehen wollen. Eine Cola, vielleicht ein Bier und vom Freßautomaten eine folierte Wurstsemmel. Natürlich haben wir uns an die Euro-Verträge gewöhnt, die unsere ohnehin lahmen Gagen wie Beträge aus dem Tante-Emma Laden erscheinen lassen. Da bleiben einem die Finger schon in den Saiten stecken, aber ich habe mich über Nacht daran gewöhnt. Ich war einer der Ersten, die dem Schlling adieu gesagt haben. Je schneller man mit dem Unvermeidlichen umzugehen lernt, umso leichter wird man sich tun. Wie von einer Geliebten, bei der kein Blumentopf zu gewinnen ist, habe ich kehrt gemacht. Wohl blutenden Herzens, aber was solls, ich habe das mit Menschen zu oft erlebt. That's the Blues. Schnell die letzten Schillingscheine in den Scanner und geentert, das war's dann.
Go Down Sunshine, See What Tommorow Brings.....lautet eine Blueszeile und wir lassen uns zum dutzenden Mal überraschen, was nicht kommt und ewig gleich bleibt und das wird auch so bleiben, wenn wir uns nicht entsprechend manifestieren. Mit Jahreswechsel erhielten wir auch eine neue Generalintendanz am Hofe des ORF. Nun hat man sich entschieden, progressiverweise eine Frau zu bestellen. Was wird sich ändern.....ein bißchen politischer Hick-Hack, der uns soviel interessiert, wie der Aufstieg von FC Fetzenlaberl in die Oberliga. Es wird wieder irgend einen Stadel geben, eine Eintagsfliege nach der anderen wird im Pop-TV abträllern und im Kulturprogramm wird über Schüttbild-Aktionisten und die 150. Kotzinzenierung der Fledermaus diskutiert. Es muß einen Weg geben, die Vertreter des Blues endlich zu ihrer fairen Chance kommen zu lassen, ohne daß man ihnen den ewig billigen Rassenprügel vor die Beine wirft.
Apropos Rasseprügel. Ich mache jeden Silvester meiner Frau den Gefallen und lasse während des gemeinsamen Sektgenusses eine Stunde Wiener Walzer über mich ergehen. Doch was erblickten da meine halbblinden Augen: Ein Japaner (!) als Wunschdirigent der Wiener Philharmoniker und Liebling des Kulturbürgertums. Er machte seine Sache gut und aller Kritik erhaben. Der Mann wußte was er tat, schließlich hatte ihn Herbert von Karajan, der unnachsichtigste Maestro aller Zeiten entdeckt und das mag was heißen. Aber stellt Euch einmal vor: Das ostasiatische Kulturempfinden ist Galaxien von der abendländischen Klassik entfernt und doch schätzt man die Künstler aus diesem Erdteil, wenn sie mit ihrem Können überzeugen. Anders ist es da schon mit den weißen Nichtamerikanern, die sich das Beuschel aus dem Leib spielen und singen, aber noch immer der internationalen Anerkennung harren. Ich habe schon in früheren Folgen berichtet, unzählige Male wegen meiner Hautfarbe und Nationalität bei Veranstaltern auf Granit gebissen zu haben, obwohl ich ein echter Bluesman und kein nachgemachter Schuhpasta-Bluesler bin. Als mich meine damalige Schweizer Managerin am Luzerner Festival anmelden wollte, spielte sie den Veranstaltern meine CD "Victrola Blues" vor und man war positiv erstaunt. Als sie aber dann mein Bild mit Biographie hervorholte, war's um mich geschehen. Ich bin nicht schwarz und außerdem nicht einmal Amerikaner, das geht nicht.....und tschüß! Dasselbe passierte mir 1974 in London.
Stellt Euch einmal so richtig bildhaft vor, man würde einen Japaner im Musikvereinssal nicht dirigieren lassen, weil er weder die richtige Hautfarbe, noch die erforderliche Nationalität und ganz und gar unwienerische Schlitzaugen hat. Die ganze Welt würde uns wieder als unverbesserliche Nazis pauschal auf eine internationale Watchlist setzen. Aber mit uns kann man das ja machen, da kann man im Bluesmagazin "Blues Access" über Al Cook aus Wien folgendes schreiben: "Wer nicht die rechte Hautfarbe hat kann nicht die Frechheit besitzen und sich White King Of Black Blues nennen". Ich habe ihnen aber entsprechend geantwortet.....Das zur Rassenfrage. Aber wer ein Cook ist, der setzt weiterhin einen Fuß vor den andern und der nächste Schritt ist meine, am 16. Januar 2002 stattfindende Präsentation meiner neuesten CD THE COUNTRY BLUES. Also laßt einmal die Mittwöchige Sportgala im TV aus und kommt um 20h ins Jazzland. Sämtliche Mitwirkende auf meiner CD werden anwesend sein und ich garantiere, daß es wieder ein gelungenes Fest wird, schon von meinem Einsatz her. Ich wäre erfreut, wenn ich mich nach dem Konzert mit Euch ein wenig über die Themen unterhalten kann, die in meiner Kolumne behandelt werden.
Ich möchte an dieser Stelle noch an zwei Männer erinnern, welche sich tagtäglich den Südpol aufreißen, um uns wenigstens im Internet ein Forum zu bereiten, wo wir uns darstellen können. Ein BLUESIT NEUJAHR UNSEREM ALF MIT I und BUSY TOM DEIMBACHER und Danke für alles, was Ihr uns an Aktivitäten organisiert habt
Auch im Neuen Jahr begleiten Euch meine besten Wünsche, also bleibt wirklich gesund und paßt auf Euch und Eure Lieben auf, denn es gibt Dinge, die man noch immer nicht um alles in der Welt kaufen kann, nämlich Gesundheit, Liebe, Freundschaft, Zufriedenheit, sowie Herzensbildung und last, but not least.....Talent. Zum Musizieren, Malen, Schreiben und was man sonst noch akademisch nicht lernen kann.
Also: CD Präsentation: THE COUNTRY BLUES
16.Januar 2002 20h / 21h Konzertbeginn
JAZZLAND 1010, WIEN FRANZ JOSEFS KAI 29
Tel.: 533-2575 oder Al Cook: 945-9564 / 06991-945.9564
Etwaige Reservierungen löschen sich ab 21h, also kommt rechtzeitig.
AL COOK ist nun auch wieder auf Blues.at zu finden!
Wir freuen uns sehr, daß sich Al Cook dazu bereit erklärt hat, uns eine regelmäßige Kolumne und
Geschichten über den Blues zu schreiben, in welcher er uns alle an seinem nahezu unendlichen Erfahrungs -
und Wissenschatz teilhaben läßt.