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Bobby und der Teufel

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1.BOBBY UND DER TEUFEL
Robert Johnson: Mythos und Wirklichkeit (I)

©Al Cook, 2001 - 2004

1961, also mitten in der toten Hose zwischen Elvis und den Beatles veröffentlichte CBS ein Album mit historischen Aufnahmen eines sogenannten "primitiven Bluessängers" namens Robert Johnson. Das Cover zeigte eine von Hand gezeichnete gesichtslose sitzende Figur, die offensichtlich für sich selbst spielte und förmlich die Akkorde zu suchen schien. Darüber stand groß: ROBERT JOHNSON. KING OF THE DELTA BLUES. Kein Mensch wußte damals, daß diese LP eine Art Revolution auf dem Rocksektor auslösen würde. Natürlich war diese Platte bei uns nirgends erhältlich und ich steckte noch tief in der Elvis - Euphorie.

In England aber scharten sich ein paar Beat-Typen um den österreichisch-stämmigen Bluesvater Alexis Korner. Da gab's John Mayall, die noch bubihaften Stones und meinen Altersgenossen und speziellen Freund Eric Clapton. Für unsere Generation, die den Blues zu entdecken begann, war Johnson eine Offenbarung unschätzbaren Ranges. Der Covertext, der möglicherweise aus Verkaufsstrategie ein wenig reißerisch verfasst war, tat das Übrige.
Robert Johnson paßte genau in das damals aktuelle Bild des einsamen jungen Gitarrespielers, der von dämonischen Mächten getrieben, eine Gegend nach der anderen unsicher machte, Frauen nur als flüchtige Zweckbekanntschaften begriff und letztendlich noch jung und wild, von einer eifersüchtigen Frau heimtückisch um die Ecke gebracht wurde. Also "live fast and die young".

Don Law, der Johnson in einem Hotelzimmer des "Blue Bonnet" in San Antonio, Texas vor's Mikrophon setzte, erzählte auch noch interessante Schauergeschichten über die Umstände, die sich um die Aufnahmesessions rankten und machte schließlich aus dem 26jährigen einen sexbesessenen Teenager. Das Alter von Schwarzen war früher oft nicht eruierbar und die natürlichere Einstellung zur Sexualität wurde ihnen im prüden Süden und auch im christlichen Europa als amoralische Triebhaftigkeit ausgelegt.

Johnsons schneidender, ja fast hysterischer Gesang vervollkommnete das Bild eines vom Teufel besessenen gejagten Jünglings, der schon früh von Zuhause ausriß, um nicht Baumwolle pflücken zu müssen. Also war er ein Rebell gegen die Jim-Crow Mentalität seiner Elterngeneration, was ihn in gewissen Jazzjugendkreisen zum schwarzen James Dean machte. Musiker, die dem Blues verfallen waren, wurden von seriösen Bürgern beiderlei Rasse wie Zigeuner behandelt. Daß die Nachkriegsjugend nichts von sogenannter "formaler" Musik wissen und ihre Emotionen lieber auf der Basis Afro-Amerikanischer Musik ausdrücken wollte, liegt nach dieser Betrachtung wohl auf der Hand.

Daß damals niemand wußte, wie Robert Johnson aussah, tat noch ein Übriges. Man fertigte nach den verschiedensten Augenzeugenberichten Phantombilder an, um sie in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Aber man hätte wissen müssen, daß die Schwarzen exzellente "G'schichtldrucker" sind, wie das Paradebeispiel Big Bill Broonzy beweist. Hier wurde nicht bewußt bösartig gelogen, denn die Bildersprache ist ein Teil der Afro-Orientalischen Kultur, die von den Schwarzen nach Amerika verpflanzt wurde. Als meine Frau einmal Urlaub im Libanon machte, fragte sie einen jungen Mann, wie alt denn sein Vater sei. Dieser antwortete: "Ach, so 80 oder 90 Jahre". Gemeint war bloß, daß der Vater schon sehr alt war. Der exakten Altersangabe wurde also absolut keine Bedeutung zugemessen.

Als ich mich 1975 mit Honeyboy Edwards über Robert Johnson unterhielt, war kein konkreter Satz aus ihm herauszubekommen. Angeblich soll Edwards Augenzeuge von Roberts Tod gewesen sein. "The devil killed him", meinte er lakonisch. Also wieder nichts für's Vernehmungsprotokoll. Der Zweite war Johnny Shines, mit dem ich während seines Wienaufenthaltes anfreundete. "He could play anything. Blues, Waltzes, Polkas, any damn stuff, folks liked in those days". Nun wußte ich wenigstens, daß Johnson auch ein kommerziell orientierter Entertainer war. Louisiana Red, der 1935(!) geboren wurde, behauptet jedesmal wenn er mich trifft, er besäße ein Bild, auf dem Robert mit einer der ersten elektrischen Gitarren zu sehen ist. Zu Johnson's Blütezeit gab es kaum eine Blueskneipe, die über eine Steckdose verfügte. Übrigens war der gute alte Red drei Jahre alt als der King Of The Delta Blues seine letzte Bottle inhalierte.

Eltern Robert Johnson
Fußnote zu Robert Johnson's Herkunft:

Robert Johnson wurde in Hazlehurst, Copiah County, South Mississippi geboren. Charles Dodds war aber nicht sein leiblicher Vater, weil dieser vor einem Plantagenmob wegen eines Streitfalles mit den Besitzern nach Memphis flüchten mußte. Julia, Roberts Mutter ließ sich offensichtlich mit einem der streunenden Feldarbeiter namens Noah Johnson ein und gebar am 8.Mai 1911 ihren Sohn Robert. Dieser erfuhr erst im Schulalter, wer sein wahrer Erzeuger war. Robert lebte teils bei Charles Dodds, teils bei seiner Schwester Carrie oder Bruder Leroy C. Dodds. Doch bereits in sehr jungen Jahren war er auf Abenteuer und zog von Ort zu Ort, wo er eines ages mit Charley Patton, Son House und Willie Brown zusammentraf. Der Grund, warum man bis vor anderthalb Jahrzehnten nicht wußte, wie Robert aussah, lag in der Tatsache, daß er an jedem neuen Ort unter anderem Namen auftrat. Schließlich erkannte man an einem Foto, daß Robert Dusty oder R.L., wie er sich auch nannte, mit dem Gesuchten identisch waren. 1929 heiratete Robert Johnson eine gewisse Virginia Travis, die aber 1930, im Alter von 16 an Kindbettfieber verstarb. Offensichtlich hatte ihn dieses Erlebnis in punkto Frauen aus der Bahn gebracht. Die Grabstelle Robert Johnsons ist bis heute noch nicht exakt lokalisiert worden. Mac Mc Cormick, der Forscher auf diesem Spezialgebiet, glaubt den wahren Mörder Roberts zu kennen, aber soll ihn aber bis zu dessen Tod verschwiegen haben. Bis heute aber wissen wir über die wahren Umstände nicht viel mehr als zuvor.

Ersterscheinugsdatum:25.3.2001 (überarbeitet Sommer 2003)
©Al Cook, 2001 - 2004 http://www.blues.at/alcook

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